Archiv | November, 2011

Oh Tannenbaum

29 Nov

Heute habe ich mit einer Freundin einen Abstecher in die Hafencity gemacht. Ein bisschen Weihnachtsglanz hier und da zwischen all den neuen Weißklötzen. Beim Überseequartier ein kleiner Weihnachtsmarkt und eine große Tanne mit tausend Lämpchen. „Wie kann eine Tanne bloß so gleichmäßig wachsen?“, fragt sie mich. „Hm, vielleicht mit der Heckenschere und einer ordentlichen Zweigverdichtung“, sage ich. Da ist sie schon am Baum, fasst die Nadelzweige an. Ich tue es ihr gleich. Wir schauen uns an. „Na toll!“ Wären wir fast auf die falsche Tanne reingefallen. Also nicht nur schauen, immer auch anfassen!

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Sonntag nach Ansage

27 Nov

Liebes Hamburg, heute erkenne ich dich wieder. Stürmisch, grau und nieselig, die letzten Blätter schüttelst du mit einem Achselzucken von den Bäumen. Du hast alle Sonnenstrahlen zum Teufel geschickt. Und ich muss um zwölf das Licht in der Küche anknipsen.

Dabei hast du doch die letzten Wochen einen auf niedlich gemacht. Trocken, golden, pittoresk und nebelig. Ein Venedig, für das man nicht mal wegfahren muss. Du warst wie jemand, der das beste aus seinem Typ macht. Und dann noch so freundlich ist, dass man es fast nicht glauben kannst. You’re too good to be true. Das ist jetzt vobei.

Hamburg, du hast bestimmt einen Querformat-Kalender auf deinem Schreibtisch liegen. Und da steht heute drin: 1. Advent. In jeder Behausung geht eine Kerze an, mindestens. Deshalb heute Standby, Stummschaltung, die Füße hochlegen, Kapuze auf, beide Hände um eine Tasse Tee schlingen. Sonntag nach Ansage. Und ich mache mit.

Handtasche heißt jetzt Sporttasche

22 Nov

Ich bin wieder Mitglied im Fitness-Club. Lang habe ich hin- und herüberlegt, und dann habe ichs einfach gemacht. Aber dieses Mal gibt es einen Unterschied: Jetzt wird auch hingegangen!

Das kostet 25 Euro im Monat und ungefähr zwei Stunden jeden zweiten Tag (oder jeden…). Dafür kann ich mich körperlich auspowern und die Anzahl der Leute, die ich vom sehen kenne, spielend um zehn Prozent nach oben schrauben. Interessanterweise gibt es nämlich ungefähr zehn Menschen, die ganz egal, wann ich komme (morgens, mittags oder abends), immer AUCH da sind. Ich glaube, die wohnen da!

Während man auf der Straße oft die eine oder andere Mode bestaunen kann, an der man nicht vorbeikommt (olivgrüne Parkas, schmale Jeans immer mit Stiefel, Herbstfarben wie schwarz und lila), so gibt es beim Sport nur die eine Devise: Sei ganz du selbst. Höchst individuelle Typen brauchen eben auch höchst individuelle Outfits! Manche Leute laufen gern auf dem Laufband mit kurzer Hose, dafür setzen sie sich aber die Kapuze von ihrem Shirt dazu auf (ärmellos, das Shirt, natürlich). Für das echte Rocky-Feeling… Wieder andere haben die Trainings-Kombi farblich abgestimmt von Tchibo, aber an die Turnschuhe sind an den Seiten mit Kroko-Prägung versehen. Und wers gemütlich angeht, setzt sich einfach in Leggins und mit Bunte oder Gala aufs Liegefahrrad.

Ganz nebenbei habe ich auch ein paar Besonderheiten zu sehen gekriegt, die ich so bisher nicht kannte. Zum Beispiel, dass man auch mit Flipflops auf den Crosstrainer gehen kann, oder mit dem Muskelshirt mal eben zum rauchen rausgeht, um dann ganz sportlich wieder reinzuschlappen. Wer nicht nur modisch auf sich aufmerksam machen will, geht auf das Powerplate, so ein ruckeliges Power-Wackelding, das mit seinen dröhnigen Vibrationen jeden ipod übertönt. Oder, das gab es vor drei Tagen, kann man zum Beispiel in der Boden-Matten-Situp-Pezziball-Abteilung ein bisschen Seilspringen, das gibt auch ein bisschen Aufmerksamkeit.

Beim Thema Handtücher scheiden sich die Geister: Die Handtuch-Verweigerer haben eins dabei, das mehr als Alibi dient. Diese Handtücher sehen oft aus, als hätte sie ihr Besitzer noch zufällig unter der Rückbank im Auto gefunden und werden auch nur manchmal oder zumindest widerwillig über die Lehnen und Sitze der sportlichen Gerätschaften gehängt. Die Handtuch-Fetischisten hingegen haben jeden Tag ein neues dabei, das immer nach Weichspüler duften muss und das nach Kräften benutzt wird.

Stellt sich nur noch die Frage duschen oder nicht duschen? Manche Menschen nämlich sind gerade noch voll am trainieren, und drei Minuten später schlendern sie mit der Sporttasche am Handgelenk und Mütze auf die Straße lang. Oder man bringt sein halbes Badezimmer einfach mit, damit das Duschen dort genauso viel Spaß macht wie zu Hause. Für diesen Zweck haben die ein großes Bad-Regal aufgestellt, und das ist meistens voll.

Es ist ein bisschen wie eine Soap, immer wieder die gleichen Leute, aber immer ist was anderes los. Ich bleibe dran! Ich werde weiter trainieren und beobachten. Und wenn was Spannendes passiert, packe ich die Geschichte in die Sporttasche und bringe sie mit…

Wunschzettel

14 Nov

Meine Wünsche für diese Woche: Ich möchte endlich mal Angela Merkel im Kapuzenpulli sehen. Ich würde gern verstehen, warum man auf der einen Seite der Straße schon die Autoscheiben kratzen muss, aber auf der anderen nicht. Und ich wünsche mir, dass die nicht immer noch extra Spekulatius neben die Kasse stellen!

Ewig zweiter

14 Nov

Wie der Titel schon vermuten lässt: Es geht hier nicht um den strahlenden Sieger. Schauspieler Stephen, Zweitbesetzung in einem Theaterstück über Lord Byron, verzweifelt langsam aber sicher an seinem durch und durch unerfolgreichen Leben. Immer vor seiner Nase hat er Überflieger Josh (der nämlich die Hauptrolle spielt), der alles kann, alles hat und wohl immer alles bekommen wird.

Ehrlich und unterhaltsam beschreibt er sein chaotisches Gefühlsleben, hin- und hergerissen zwischen seiner Ex-Frau und der Frau seines erfolgreichen Schauspiel-Kollegen. Um über die Runden zu kommen, spielt Stephen sogar ein singendes Eichhörnchen. Da scheint plötzlich der Durchbruch als Schauspieler ganz nah…

Nicholls „Zwei an einem Tag“ habe ich auch gelesen, aber „Ewig zweiter“ hat mir sogar noch ein bisschen besser gefallen. In diesem Punkt ist das Buch schon mal nicht zweiter!

David Nicholls: Ewig zweiter, Heyne, 9,95 Euro.

Eiskalte Rache

14 Nov

Im Herbst lese ich gern mal einen Krimi, der schon im Schnee spielt und ein bisschen Vorweihnachtsstimmung verbreitet: „Eiskalte Rache“ von Varg Gyllander zum Beispiel. Schon bald musste ich allerdings feststellen, dass bis auf das Schnee-Thema mir nur wenig gefällt an diesem Buch.

Immerhin hat es der Autor geschafft, die blasseste Hauptperson zu schaffen, die mir in meinem Krimileben bisher untergekommen ist. Ein fragwürdiges Kompliment. Ulf Holtz, Forensiker, überzeugter Tee-Trinker und Kaffee-Verweigerer, stapft durch die Handlung, ohne auch nur ein nichtssagendes Gesicht in meinem Kopf zu erzeugen. Der rechtsextreme Aufmarsch, bei dem ein Mord passiert – nur Kulisse. Die Liebesgeschichte, die ihn  aufwühlen könnte, so unaufregend wie ein uneingepacktes Geschenk. Und dass es sich beim Ort der Handlung um die schwedische Hauptstadt handelt, das muss man sich irgendwie dazudenken, denn es tauchen keine Straßennamen, Orte oder andere Hinweise auf Stockholm auf.

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich mir auch mehr Einblicke in die Arbeit eines Forensikers gewünscht hätte… Wer zum Beispiel Derrick gern mag, der auch immer nur durch seine Krimis tapert, dem könnte dieser Krimi gefallen. Allen anderen rate ich dringendst ab.

Varg Gyllander: Eiskalte Rache, btb, 9,99 Euro.

Bei Apple

11 Nov

Heute war ich zum ersten Mal im Hamburger Apple Store am Jungfernstieg. Und das kam so: In der Grazia war ein Gutschein für eine Tube feinsten Lippenbalsam von Kiehls, und das ganz umsonst. Nur in die Innenstadt musste ich, und zwar ins Alsterhaus. Das Tübchen und noch zwei weitere Proben in der Tasche musste ich leider feststellen, dass ich, wenn ich nicht doch noch sehr viel Geld dalassen wollte, ich sofort und auf der Stelle die Parfümerie des Alsterhauses verlassen musste.

Aber gleich neben dem Alsterhaus befindet sich der Apple Store, da hinein bewegte sich der Menschenstrom wie ferngesteuert als wäre da drin ein riesiger Magnet. Ich habe mich dann auch einfach hineinziehen lassen. Es fällt mir eindeutig leichter, nicht mal eben 1500 Euro auszugeben als nicht einfach so 50 Euro auszugeben. Und außerdem war ich neugierig, ob da jetzt ein großes Bild von Steve Jobs hängt in einem silbermatten Rahmen oder so.

Das Bild habe ich nicht gefunden. Aber ich war ganz begeistert von den Ausstellungstischen aus hellem Holz, die haben so eine Extra-Höhe, damit man im Stehen die ganze schönen Mac-Books und so ausprobieren kann. In akkuraten Abständen ist die ganze schöne Technik aufgebaut, und blau-behemdete Verkäufer eilen lässig hin und her, um den Menschen alle Wünsche von den strahlenden Augen abzulesen. Und zwischendrin gibt es noch die mit den roten T-Shirts, die haben feine Lappen und wischen auf den Tischen, über die Macs, die iPhones und wieder über die Tische. Das ist ja noch cleaner als im Alsterhaus, und es riecht auch nicht so penetrant nach Parfüm.

Der Apple Store sieht aus wie eine moderne Kathedrale, und am meisten angebetet wird das iPhone. Kann ich mir gut vorstellen, dass man hier Zuflucht sucht, wenn einen Zuhause die blanke Unordnung erwartet. Fehlt nur noch dass man am Eingang die Schuhe ausziehen muss. Oder dass sie einem eine Probe mitgeben…

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