Handtasche heißt jetzt Sporttasche

22 Nov

Ich bin wieder Mitglied im Fitness-Club. Lang habe ich hin- und herüberlegt, und dann habe ichs einfach gemacht. Aber dieses Mal gibt es einen Unterschied: Jetzt wird auch hingegangen!

Das kostet 25 Euro im Monat und ungefähr zwei Stunden jeden zweiten Tag (oder jeden…). Dafür kann ich mich körperlich auspowern und die Anzahl der Leute, die ich vom sehen kenne, spielend um zehn Prozent nach oben schrauben. Interessanterweise gibt es nämlich ungefähr zehn Menschen, die ganz egal, wann ich komme (morgens, mittags oder abends), immer AUCH da sind. Ich glaube, die wohnen da!

Während man auf der Straße oft die eine oder andere Mode bestaunen kann, an der man nicht vorbeikommt (olivgrüne Parkas, schmale Jeans immer mit Stiefel, Herbstfarben wie schwarz und lila), so gibt es beim Sport nur die eine Devise: Sei ganz du selbst. Höchst individuelle Typen brauchen eben auch höchst individuelle Outfits! Manche Leute laufen gern auf dem Laufband mit kurzer Hose, dafür setzen sie sich aber die Kapuze von ihrem Shirt dazu auf (ärmellos, das Shirt, natürlich). Für das echte Rocky-Feeling… Wieder andere haben die Trainings-Kombi farblich abgestimmt von Tchibo, aber an die Turnschuhe sind an den Seiten mit Kroko-Prägung versehen. Und wers gemütlich angeht, setzt sich einfach in Leggins und mit Bunte oder Gala aufs Liegefahrrad.

Ganz nebenbei habe ich auch ein paar Besonderheiten zu sehen gekriegt, die ich so bisher nicht kannte. Zum Beispiel, dass man auch mit Flipflops auf den Crosstrainer gehen kann, oder mit dem Muskelshirt mal eben zum rauchen rausgeht, um dann ganz sportlich wieder reinzuschlappen. Wer nicht nur modisch auf sich aufmerksam machen will, geht auf das Powerplate, so ein ruckeliges Power-Wackelding, das mit seinen dröhnigen Vibrationen jeden ipod übertönt. Oder, das gab es vor drei Tagen, kann man zum Beispiel in der Boden-Matten-Situp-Pezziball-Abteilung ein bisschen Seilspringen, das gibt auch ein bisschen Aufmerksamkeit.

Beim Thema Handtücher scheiden sich die Geister: Die Handtuch-Verweigerer haben eins dabei, das mehr als Alibi dient. Diese Handtücher sehen oft aus, als hätte sie ihr Besitzer noch zufällig unter der Rückbank im Auto gefunden und werden auch nur manchmal oder zumindest widerwillig über die Lehnen und Sitze der sportlichen Gerätschaften gehängt. Die Handtuch-Fetischisten hingegen haben jeden Tag ein neues dabei, das immer nach Weichspüler duften muss und das nach Kräften benutzt wird.

Stellt sich nur noch die Frage duschen oder nicht duschen? Manche Menschen nämlich sind gerade noch voll am trainieren, und drei Minuten später schlendern sie mit der Sporttasche am Handgelenk und Mütze auf die Straße lang. Oder man bringt sein halbes Badezimmer einfach mit, damit das Duschen dort genauso viel Spaß macht wie zu Hause. Für diesen Zweck haben die ein großes Bad-Regal aufgestellt, und das ist meistens voll.

Es ist ein bisschen wie eine Soap, immer wieder die gleichen Leute, aber immer ist was anderes los. Ich bleibe dran! Ich werde weiter trainieren und beobachten. Und wenn was Spannendes passiert, packe ich die Geschichte in die Sporttasche und bringe sie mit…

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