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Nicht ohne meinen Ikea-Katalog 2013

9 Sep

Lieber Sonntag, gestern warst Du ein Tag ohne Ambitionen, ohne Kommen und Gehen, ein merkwürdiges Etwas ohne Ecken oder Kurven. Eingelullt von all deinen Regenwolken war ich versteckt in einem Kapuzenpulli, ich war in meiner Couch, ich war in Gedanken. Die Katze hat in ihrem Fell geblättert und ich in alten Zeitschriften. Lieber noch hätte ich den neuen Ikea-Katalog geblättert. Alle Jahre wieder ist dieses Herumwarten eine langatmige schwedische Gedulds-Übung. Ich träume von einem Sofa, auf dem man immer gleich einschlafen kann auch wenn man schon drei Stunden im Bett gerumgewühlt hat. Von einem Silbertablett, auf dem man in Lebensgröße sich räkeln kann. Von einer Lampe, die immer schon an ist, wenn man heimkommt, wie im Film. Ich wünsche mir eine Küche, die immer freitags aussieht wie gerade eingebaut und montags die Farbe wechseln kann und dazu einen Kleiderschrank mit Geheimfach. Geduld, du bist so groß und so ungeduldig. Ikea-Katalog, du kannst jetzt kommen. Komm!

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Baggerschlaf

19 Aug

An so einem heißen Tag wie heute fahre ich schattenparkermäßig um kurz vor neun zum Sport. Auf dem Weg dorthin habe ich zwei Bagger gesehen, die waren noch am Schlafen in ihrem Doppelbett aus Schutt. Das sah nach trauter Zweisamkeit aus, ich habe schnell das Foto gemacht und sie weiterschlafen lassen. Wovon die wohl träumen? Von schönen großen Baggerschaufeln oder widerspenstigen Backsteinwänden? Ich habe auch gleich noch die einzige mir bekannte Klosterfrau-Melissengeist-Leuchtreklame fotografiert, die genau gegenüber von den Baggern wohnt. Sonst war gar nix los in der Straße. Nicht mal einem Hundehaufen bin ich begegnet. Nur das lettische Auto, das schon seit fünfzig Monaten da parkt, das hatte einen bösen gelben Abschleppzettel dran.

Gut, dass ich nach getanem Sport in der Umkleide eine Freiwillige gefunden habe, die mir den Rücken eincremt, den auf meiner Lieblingswiese war heute auch schon Nebensaison, und ich hätte nur den total verbrutzelten G-String oder den Flascheneinsammler mit der Vespa fragen können. Wo sind bloß die ganzen Leute, habe ich mich gefragt. Fahren die alle beim Radrennen mit? Oder sind die noch fertig von dem Schiffs-Spektakel gestern im Hafen? Oder sind sie vorübergehend in ihrem Kühlschrank eingezogen?

Meine nächste Station: Eine befreundete Terrasse mit großem Sonnenschirm, mit Spaghetti-Eis und rotem Kater. Freundlicherweise habe ich auch noch ein kaltes Fußbad bekommen, eine Analyse von der Krömer-Show gestern (da schluf ich schon) und Lesefutter. Dankeschön! Mein Dank gilt heute außerdem natürlich dem Konstrukteur des Fahrradkorbes, weil da die Sporttasche hochkant reinpasst, daneben noch die Draußen-Tasche und die zwei Bücher locker auch noch. So habe ich die Arme frei, den Kopf frei, das Sonnenkonto aufgetankt und bin startklar für die neue Woche.

Und was macht die Katze, wenn es so heiß ist? Begrüßt mich langgestreckt im Flur, hat in ihrem Wassernapf herumgeplanscht, noch ganz nasse Pfoten, kleine Überschwemmung im Wohnzimmer, sie verlangt nach nassem Nassfutter mit viel Hühnchen drin und übt sich dann in einer lässigen Halbprofil-Pose.

Sommer auf Standby

15 Jul

Die Sonnencreme musste ihren Platz in der Handtasche räumen. Ich zähle die Sommersprossen auf der Hand. Kein Grillduft, der durchs Fenster weht. Die Muttis unten am Sandkasten haben ihre Fleecejacken an und zurren ihren Kleinen einen Schal um den Hals. Die Sommerkleider im Schrank scharren mit den Füßen, und die Katze wartet geduldig auf Sonnenflecken auf dem Wohnzimmerboden am Nachmittag. Gestern habe ich draußen sogar einen Mann mit Teetasse gesehen. Das sommerlichste was mich im Juli erreicht hat, waren zwei Postkarten aus Spanien. Der Sommer ist auf Standby. Ich wünsche mir einen Tatort aus Ibiza, morgen 35 Grad und ein paar Sommerstiefel dazu. Wer hat bloß die Fernbedienung?

Sanostol-Sonntag

6 Mai

Sonntag, heute brauchst Du Sanostol. Sonntags beim Sport sieht man Menschen, die die ganze Woche nicht da waren. Sie haben einen Schatten, der heißt schlechtes Gewissen. Kein Wunder, dass ich heute also ein paar Menschen höchst unmotiviert ihre Übungen an den Geräten absolvieren sah, und musste direkt an die Werbung denken „Trottet ihr Kind auch immer nur lustlos durch alle Pfützen?“. Taps, schlurf.

Der auf den iPod gewanderte 80er-Jahre-Sound untermalte meine Überlegungen zur sportlichen Sonntagslage. Weder das Hamburger Grau-Wetter (Fade to grey) noch eine zu kurze vertanzte Nacht (Cold days, hot nights) konnten also als Ausrede herhalten, um dem sportlichen Schweinehund ein Schnippchen zu schlagen (Respectable). Watt mutt, dat mutt, sagt der Hamburger (I promised myself), und die Tage, um eine Bikini-Figur (bis zum Lebensende) zu erreichen, sind gezählt (The harder I try)… Da heißt es rauf auf den Crosstrainer, aufs Laufband oder aufs Rad (Your heart keeps burning)! Meine Gedanken schweiften ab   (Voyage, voyage)… „Was macht eigentlich die Katze zu Hause?“ (My bed is too big)  „Wie wäre es nachher mit Rhabarberkuchen?“ (Slice me nice)“ „Kommt heute Abend nicht der letzte Tatort mit Mehmet Kurtulus?“ (Don’t break my heart).

Damit war es dann aber auch gut für heute mit Sport und 80er-Jahren. Ich habe noch Katzenfutter bei Rossmann gekauft und Handcreme, die ich alibimäßig in die Handtasche stecke und doch nie benutze. Und ich habe zwei Menschen gesehen, die in der Woche oft beim Sport sind. Aber sonntags lieber bei Rossmann…

Wir, die Rausgeher

25 Mrz

Wenn die Bedienung an den Tisch kommt und sagt „Kann ich die Tasse da schon mal mitnehmen? Uns geht schon das Geschirr aus!“ – dann muss es sich eindeutig um diesen supersonnigen, auf Sommerzeit umgestellten, vogelverzwitscherten Sonntag heute handeln. Wenn in Hamburg alle alle draußen sind. Wenn auf der Liegewiese kaum noch ein Fleckchen kalter Boden frei ist. Wenn die Cabriofahrer zum ersten Mal dieses Jahr ohne Halstuch fahren. Und die Schlange vor der Eisdiele länger ist als die am Bankomaten vor Weihnachten.

Das ist Jahr für Jahr immer wieder faszinierend! Weil diese Art von Wir-Gefühl, das gibt es ja nicht mehr so oft. Wir, die Rausgeher. Wir, die wir unsere Fahrräder wieder aus dem Keller geholt haben. Wir, die uns einfach zu Fremden an die Bierbank setzen. Wir rücken jetzt mal zusammen, und dann blinzeln wir zusammen in Richtung Elbe. Und das beste daran: Wir haben heute eine Stunde mehr! Also natürlich ist es eine Stunde weniger, aber dafür ist es eine Stunde länger hell. Und nur das zählt für die Rausgeher.

Schau genau

15 Jan

Unglaublich, aber wahr. Das alles habe ich in den letzten 24 Stunden gesehen:

Einen Mann, der hat mit Zigarettenspitze geraucht und hatte bei seinem Hemd den Kragen hochgestellt.
Ein anderer Mann hat seine Zigarettenschachtel im Weizenglas spazieren getragen (das geht, wenn man sie quer da reinklemmt und ein Stoßgebet spricht). Und dann haben die beiden miteinander gesprochen über eine Entfernung von drei Metern.
Falls jemand seine Schlüssel sucht, beim Asia Kim in der Bahrenfelder Straße hängen welche an der Pinnwand. Und ein Artikel über Saufen in der S-Bahn mit dem Vermerk „Für Herbert“.
Und dann gab es noch ein echtes Highlight: Heute in der Umkleide beim Sport hat eine Frau ihre Badelatschen trockengefönt. Wahnsinn!

Sonntag nach Ansage

27 Nov

Liebes Hamburg, heute erkenne ich dich wieder. Stürmisch, grau und nieselig, die letzten Blätter schüttelst du mit einem Achselzucken von den Bäumen. Du hast alle Sonnenstrahlen zum Teufel geschickt. Und ich muss um zwölf das Licht in der Küche anknipsen.

Dabei hast du doch die letzten Wochen einen auf niedlich gemacht. Trocken, golden, pittoresk und nebelig. Ein Venedig, für das man nicht mal wegfahren muss. Du warst wie jemand, der das beste aus seinem Typ macht. Und dann noch so freundlich ist, dass man es fast nicht glauben kannst. You’re too good to be true. Das ist jetzt vobei.

Hamburg, du hast bestimmt einen Querformat-Kalender auf deinem Schreibtisch liegen. Und da steht heute drin: 1. Advent. In jeder Behausung geht eine Kerze an, mindestens. Deshalb heute Standby, Stummschaltung, die Füße hochlegen, Kapuze auf, beide Hände um eine Tasse Tee schlingen. Sonntag nach Ansage. Und ich mache mit.

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