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Sonntag, falsch vorhergesagt

18 Sep

Sonntag, heute warst du ganz falsch vorhergesagt. Das ist ein Glück, dass die Metereologen trotz Wetterhäuschen und Riesencomputern immer noch daneben liegen können. Dank dem schlecht vorhergesagten Wetter hat meine Wohnung heute einen Großputz bekommen, und als schließlich alles blinkte und blitzte und es immer noch nicht geregnet hat, war dann ein richtiger Sonntagsspaziergang drin in der schönsten Herbst-Nachmittagssonne. So habe ich zum Beispiel den Mann mit schwarzer Schnuffeldecke gesehen, die er hinter sich herzog wie ein Dreijähriger und dabei sehr glücklich ausgesehen hat, auch wenn die Decke vom auf dem Boden schleifen schon ganz belaubt und angedreckt war. Auch die Frau, die ihrer kleinen Tochter die gleiche schwarze Lederjacke angezogen hat, die sie ein paar Nummern größer selbst trägt, hätte ich sonst wohl nie gesehen. Und auch nicht die junge Frau mit fünf Terriern an der Hand, die hat mich sofort an die Hundesitterin in „King of Queens“ erinnert. Spazierengehen ist eben doch was anderes als Fahrradfahren, wo alles nur so an einem vorbeisaust. So habe ich den Pizzaduft aus Joeys neuer Filiale gegenüber von Max Bahr gerochen, aber auch die süße Duftfahne von zwei Teenagern in der Fußgängerzone, das war nicht so angenehm. Außerdem habe ich festgestellt, dass Männer wohl gerne Schaufensterbummel machen (ich dachte schon das wäre abgeschafft), während es die Frauen zu Rossmann oder in den Bahnhof zieht, wo man wenigstens für irgendwas Geld ausgeben kann. Auf dem Heimweg habe ich noch die Autos gesehen, die auf ihren Autozug in den Süden warten, und interessanterweise sind die Insassen immer viel sonnengebräunter als die Leute, die auf der Straße herumspringen. Dann haben die wohl auch besseres Wetter gehabt. Nur wo?

Sonntag mit Fisch im Keller

11 Sep

Also wenn schon mal „Tag des offenen Denkmals“ ist, dann kann man ja auch hingehen, habe ich mir heute gedacht. So ist es passiert, dass ich das schöne Wetter mit einem kleinen Rad-Ausflug zum „Eiskeller“ in der Lessers Passage in Altona verbinden konnte. Dieser denkmalgeschützte Keller ist versteckt hinter einem Torbogen, und normalerweise nämlich nicht geöffnet.

Bevor ich die schummerige Treppe hinabgestiegen bin, habe ich mir genau die gelangweilten Gesichter der heraufstapfenden Kinder angesehen, und meine Erwartungen noch mal ein ganzes Stück nach unten geschraubt. Unten hat mich dann ein sehr sehr großer Kellerraum erwartet mit großen Leuchtern und ganz ganz vielen Backsteinen (Foto links). Dabei habe ich mich gewundert, dass selbst so wenige Besucher, wie da waren, mir so oft ins Bild laufen können. Und (das wusste ich allerdings schon vorher), dass die Bilder ohne Blitz viel stimmungsvoller werden, aber leider auch sehr unscharf, weil glaube ich kein Mensch drei Sekunden lang die Hand ganz still halten kann.

An diesen großen Haupt-Keller schließt sich rechter Hand ein kleinerer Keller an, der immerhin mit einem Tisch möbliert war und zwei gar nicht so schönen Engelchen- und Teufelchenfiguren auf herzförmigen Steinen. Ein Foto davon habe ich natürlich auch gemacht, aber dann bei mir selbst nicht durchgekriegt.

Das Highlight waren dann tatsächlich die Erklär-Tafeln, die jemand im Durchgang vor der Toilette aufgehängt hat, und die mir ein bisschen was zur Geschichte des Eiskeller erklärt haben. Ursprünglich gehörte dieser große Keller zu einem Stadttheater, und es wurde dort Eis gelagert. 1936 wurde der Keller dann zum Luftschutzraum, und nach dem Krieg wurde er vergessen. Wie auch immer man einen so großen Keller vergessen kann. In den 90er Jahren dann hat sich jemand an ihn erinnert, er wurde saniert und kann nun für Veranstaltungen gemietet werden (aber dann hat man auch immer diese merkwürdigen Engel- und Teufelfiguren dabei, das muss man sich vorher überlegen).

Der dritte Kellerraum beherbergt eine kleine Bar, und wirkt dadurch ein bisschen heimeliger als die anderen Kellerräume. Heute gab es dort Fischbrötchen von einem Mann, der hat gerade drei Häuser weiter nämlich einen Fisch-Feinkostladen aufgemacht. Ich bin dann glaube ich so ähnlich wie die drei Kinder vorher irgendwie ein bisschen enttäuscht nach oben gestapft, und plötzlich hatte ich Lust auf ein Eis, weil bei „Eiskeller“ muss man ja eh die ganze Zeit an Eis denken. Und ich hatte Lust, mal wieder in meinen Keller zu schauen, ob da wohl noch die eine Tunika, die ich schon aussortiert hatte, aber wäre doch ein Glück wenn ich… Und da war sie! Da war der Eiskeller ja doch für was gut.

Sonntag mit DIY-Dänisch

4 Sep

Sonntag, heute bist du ein Däne, und das liegt nicht nur am nicht-vorhergesagten Sonnenschein. Nein, ich habe es mir mit einem Stapel mitgebrachter dänischer Zeitschriften gemütlich gemacht, und während ich die „lese“, kann ich wunderbar abschalten. Denn das lesen beschränkt sich auf Bilder gucken und Buchstaben-Rätsel raten. Bei der dritten Ausgabe beginne ich mich zu fragen, warum eigentlich mein Dänisch so schlecht ist; und warum man obwohl das gelesen alles so plausibel aussieht, man so wenig damit anfangen kann. Immerhin kann ich mir vorstellen, was „Laeserbreve“ sind, und auch „Herrebukserne“ sind fotomäßig schlüssig für mich aufbereitet. Ein bisschen schade ist es um das Porträt von Lars Mikkelsen (ja genau, der Bruder von Mads, bekannt aus „Kommissarin Lund“). Dem sein „fadere“ war „bankmand“, das ist ja einfach, aber die „moderen“ eine „sygehjoelper“, da komm ich schon beim Vorspann ins Grübeln! Also was helfendes, soziales vielleicht? In Leo könnte man bestimmt nachschauen, aber das würde das ganze Dänische-Zeitschriften-Blättern und Wörter zusammenfantasieren eindeutig entzaubern. Habe mich schon dagegen entschieden, das hier macht eindeutig mehr Spaß!

In der nächsten Ausgabe verstehe ich immerhin schon „Den lille sorte“ als kleines Schwarzes, „Siddende meditation“ ist mit dem Lotussitz bebildert  und „irritiret hud“ verlangt nach hochpreisigen Tübchen. Mein Dänisch wird immer besser, stelle ich fest, und lese mich durch „miks og match“ und „Alle kvinder elsker sko“ (was vereinfacht wird durch ein Regal, vollgestellt mit Schuhen). Ich bleibe dran! Ungefähr acht Ausgaben liegen noch auf dem dänischen Stapel, und bis zum nächsten Sommer werde ich noch ein bisschen Dänisch nachlegen. Damit ich dann vielleicht auch das Porträt über die „Skuespiller“ Marina Bouras verstehe, die in „Der Adler“ mitgespielt hat, und siehe da, sie ist nämlich auch „Instruktor“, „Psykoterapeut“ und „gift med Jens Albinus“, der da die Hauptrolle in „Der Adler“ spielt. Ich habe noch den ganzen Sonntag Zeit, mir ein paar Übersetzungsmöglichkeiten für „gift“ zu überlegen…

Sonntag, du machst auf ZDF

21 Aug

Lieber Sonntag, heute bist du die Ruhe selbst. Ausgeglichen schipperst du dahin im honiggoldenen Spätsommerlicht. Auch ein großangelegtes Radrennen und eine Handvoll Hubschrauber (die gehören wohl zum Radrennen) können dich nicht aus dem Konzept bringen. Keine krakeelenden Kinder, keine Rasenmäher und auch keine Nachbarn, die herumhämmern. Du bist heute ganz im Einklang mit dir selbst, und die sonnenseeligen Menschen draußen sind es auch. Das ist ein gefühltes ZDF-Happy-End, und das den ganzen Tag lang – nur ohne Adelige und Pferde.

Sonntag, du bist ein Telefon

16 Aug

Die sonntägliche Kolumne heute erst am Dienstag. Wieso das denn? Weil nämlich das Telefon geklingelt hat. Immerzu. Und als ich am Sonntag nach einigen Stunden am Hörer dir schreiben wollte, das war so gegen 18 Uhr, da wollte ich dir gerade sagen „Sonntag, du bist ein Telefon“, da hat es schon wieder geklingelt. Sonntag, du hast heimlich alle anderen Tage abgehängt. Wie hast du das gemacht? Ich erinnere mich, wie das anfing: Nämlich mit einer Flatrate für Sonntagstelefonierer. Dann kam der ausufernde Freizeitstress am Samstag dazu, da war an längere Plauschereien am Sonnabend sowieso nicht mehr zu denken. Tja, und seit der Sommer sich mit Vorliebe sonntags in seine Gemächer irgendwo hinter den dicken Regenwolken zurückzieht, seitdem haben sich wohl alle miteinander verabredet, mich sonntags anzurufen. Nicht morgens (wegen der Ausschlafung), nicht abends (wegen Krimi), nein, genau dazwischen. Und wenn ich dann nicht unterwegs bin, dann bin ich dran. Und am Montag bin ich heiser. Ich will mich aber nicht beschweren. Immerhin muss ich jetzt nicht mehr überlegen, wen ich mal anrufen könnte. Ich werde angerufen… Ich sage: Sonntag, du bist ein Telefon.

Sonntag, du bist ein Engländer

7 Aug

Sonntag, du hast dir heute ein lässiges Grinsen ins Gesicht gezaubert und mich auf den British Day entführt. Der Polo-Rasen so grün, der Himmel so blau, die kleinen spitzdachigen Zelte so weiß. Ich habe den Geruch von Pferden und alten Autos in der Nase, und natürlich von Fish & Chips mit Vinegar. Der Mann von der Whisky-Verkostung hat die gleiche Karohose an wie letztes Jahr. Bei der Tombola gibts mal wieder nicht den Hauptgewinn. Die starken Männer in ihren Kilts machen sich schon mal warm für den Baumstammweitwurf. Und wer nicht einen Jack Russell an der Leine hat, kann ungehemmt mit allen Hunden flirten. Sogar einen Queen-Hund hast du für mich dorthinbestellt. Sonntag, du bist heute ein Engländer, und das steht dir gut. Du kannst dich auch mit Regen vergnügen. Deshalb hast du Sonne bekommen.

Sonntag, du bist eine Sauna

31 Jul

Sonntag, heute bist du eine Bio-Sauna. Du magst es warm, aber nicht so heiß, und die Feuchtigkeit in der Luft riecht wie der Duft frischer Wäsche. Reden tust du nicht viel heute. Das ist ja irgendwie verpönt in der Sauna. Wir kennen uns ganz gut, da ist vieles schon gesagt. Wenn auch längst nicht alles. Was würde sonst aus der geliebten Sonntags-Ode werden? Aber gucken ist erlaubt, ein bisschen jedenfalls. Und wo kann man auch wenig reden und ein wenig schauen? Da gehe ich jetzt hin. Ins Museum. Das ist ein sonntäglicher Ort, ein Betrachten und in Ruhe lassen. Meine Freundin nehme ich mit. Die kann ich dann stupsen oder anzwinkern, wenn ich was sehen. So wie in der Sauna.

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