Mein Freund, der kreative Macher-Abenteurer-Gentleman

26 Aug

130826dougGroße Freude hat dieses Wochenende das Douglas-Kundenmagazin bei mir verbreitet. Neben den üblichen vorher-nachher-Geschichten und Produktneuheiten gab es eine wirklich nette Geschichte über die kosmetischen internationalen Eigenheiten der Frauen. Darin habe ich gelernt, dass Amerikanerinnen vor allem immer jung aussehen wollen (aha!), Japanerinnen sich zu 80 Prozent das Gesicht rasieren (von allen 80 Prozent? oder jede zu 80 Prozent?), und Koreanerinnen nach dem Layering-Prinzip möglichst viele Schichten auftragen, wobei da auch steht, dass dort die all-in-one BB-Cream ihren Ursprung findet.

Das Highlight war dann aber die Geschichte „Ziemlich beste Freunde“ (Gehts da nicht um einen Mann im Rollstuhl und seinen Krankenpfleger?), da geht es um Männer und ihre Autos und ihre Duftvorlieben. Ich habe mich auf ein ungefähr 30-seitiges Special mit Fahrbericht gefreut, musste dann aber mit einer Doppelseite vorlieb nehmen. Immerhin fand ich hier olfaktorisches Hintergrundmaterial über den Kreativen mit rotem Mini, den Gentleman im Mercedes und den Macher mit Porsche, der ein verkappter Romantiker ist.

Aus dem Real Life kenne ich nur das Parfüm Terre d’Hermès, das riecht also nach Abenteurer und dazu gehört ein Range Rover Monstrum. Tja, der mir bekannte männliche Gegenbeweis fährt leider Golf und hat einen Angelschein – reicht das schon zum Abenteurer?

Ich sehe auf jeden Fall sich haareraufende mit dem Markenimage beschäftigte wichtige Menschen vor mir, die sich nun fragen: Wie kann ich nur mein XY Auto auch ein bisschen mehr Macher/Kreativer/Gentlemaniger machen? Können wir nicht eine Parfümologie in Zusammenarbeit mit dem ADAC-Magazin machen, wo dann aber bitte alle Modelle ausreichend beduftet werden? Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, das Auto aus seinem rein technischen Zusammenhang herauszulösen und in einem größeren lifestyligeren Accessoire-betonten Universum in neue Sphären zu schicken?

Ich will im nächsten Kundenmagazin von Herrn Douglas mindestens eine ebensolche weibliche Parfüm-Auto-Aufklärung! Wenn Sie ein Frühaufsteher sind, der sich im Rückspiegel zu Ende schminkt und ab 15 Uhr nur noch Espresso trinken…wenn Sie Ihre Fußnägel ganzjährig rot lackieren und vor 15 Jahren einen Duft von Cacharel benutzt haben, der Sie heute umbringen würde… Wenn Sie regelmäßig Ihren Douglas-10-Prozent-Rabatt-Gutschein verfallen lassen und Sie so leicht nichts aus der Ruhe bringt…Dann fahren Sie einen Volkswagen!

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Sommerloch und Simpsons-Wolken

4 Aug

Liebe Blogleser, es hat ganz schön lang gedauert, ich weiß. Wenn man erst mal anfängt, eine Pause einzulegen, dann weiß man am Anfang noch gar nicht, wo das Ende sein wird. Aus einem kurz die Augen zu machen ist ein Nickerchen geworden und dann irgendwie Betriebsferien mit ohne Schild an der Tür.

Nicht, dass nichts passiert wäre. Es gab viele Sonntage, an die ich hätte schreiben können – aber ich habs einfach nicht gemacht. Wenn ich in der Hamburger Morgenpost gelesen habe, hat es in den Fingern gejuckt. Ich hätte darüber philosophieren können, wie meine winkende Solar-Queen im Frühjahr nicht mal gezuckt hat, und jetzt so laut winkt, dass meine Freundin neulich dachte, die Katze schnurrt. Oder über meine neue Vorliebe für Blau, 30 Beiträge über „Schlag den Raab“ und „Schlag den Star“, oder ein paar Zeilen, warum es so praktisch ist, dass die NSA jetzt alles weiß (falls mir zum Beispiel entfallen ist, was ich ins Blog schreiben will, die werdens schon wissen).

Heute lieber Sonntag, bist du jedenfalls voller Simpsons-Wolken. Langgezogene, weiße Watteberge, die wie ein Ticker an meinem Küchenfenster vorbeiziehen und mir sagen morgen wird es auch schön. Und übermorgen. Und überübermorgen. Kein Schönwetterstress, du ruhst in dir wie eine ganz geerdete Yoga-Übung und schreibst auf Facebook auch was mit Sand und Sonne und mit Foto dazu. Du hast offene Schuhe an, deine Sonnencreme riecht dezent nach Kokos und du willst jedes Lied im Radio mitsingen… Das wollte ich dir schon lang mal sagen. Du Sonntag, ich kann dich echt gut leiden.

Wowereit ohne BER

9 Jan

Viele Leute misten Ende des Jahre aus, und wer da noch nicht dazu gekommen ist, der macht es einfach gleich jetzt am Jahresanfang, Da heißt es entstauben und wegräumen, hier und da ist es sogar eine ganz große Großbaustelle, mit der man von jetzt auf gleich nichts mehr zu tun hat, das ist zum Beispiel dem Herrn Wowereit passiert. Ist er nun der regierende Bürgermeister von LIN? Das BER ist ja weg jetzt… Paare trennen sich, ganz geordnet in alphabetischer Reihenfolge, erst die van der Vaarts, dann die Wulffs, mit X müsste dann ja… fällt mir jetzt gar niemand ein, hm. Der Udo Walz hat sich von ein paar Kilos getrennt, nicht aber von seinen Polypen, und in der anderen Werbung für gefriergetrocknetes Joghurt zum Abnehmen wird schon wieder der gelbe Bikini ausgepackt, der Rest vom Weihnachts-Spot durfte bleiben, länger sogar als der Weihnachtsbaum, der auf den Straßen herumfläzt und im Hamburger Dauerregen nicht einmal daran denkt, sich von seinen Nadeln zu trennen. Die Geschenke sind verräumt, aber von den Kartons mag sich die Katze noch nicht trennen. Der Handfeger liegt im Auto, wartet auf Schnee. Oder auf den Frühling. Oder auf einen neuen Flughafen in Berlin.

Labello fürs Auto

12 Dez

Dauerfrost in Hamburg, die Schneeberge türmen sich in meiner pittoresk nicht geräumten Straße. Schön verpuderzuckert liegen die Einzelteile eines alten Sofas in einer Hofeinfahrt und haben sich wie Schneehasen in die städtische Landschaft integriert.

Fürs Auto gibts dieses Jahr einen Labello, mit dem werden die nicht enden wollenden Gummidichtungs-Lippen mit eisiger Hingabe eingeschmotzt. Besser aufgehen tun die Türen trotzdem nicht. Ich frage mich, warum es mir im Auto wärmer vorkommt als draußen, also gefühlt jedenfalls, obwohl das gar nicht sein kann. Warum hat der Mann von der Müllabfuhr keine Haare und keine Mütze? Ist die Scheibe jetzt gerade von innen oder schon wieder von außen zugefroren? Handschuhe am Lenkrad ja oder nein? Ist das Fläschchen mit dem Enteiserzeugs gerade im Briefkasten geparkt oder wohnt es noch in der Jackentasche?

Winterliche W-Fragen, alle Jahre wieder. Wie machen das bloß die Leute, die da wohnen, wo es immer und noch viel kälter ist? Spätestens wenn am Samstag der Jürgen von den Kanaren zurückkommt, dann kann der Winter gern noch mal ne Pause einlegen. Sonst macht der einen auf Zugvogel und fliegt gleich wieder zurück!

Krank 2.0

29 Nov

Der erste grippale Infekt dieses Jahr (früher hat man ja gesagt, ich habe die Grippe, aber jetzt weiß man es besser), das Blog liegt solidarisch in einem fiebrigen Schlafkoma (mindestens) und ich stelle hiermit fest: Kranksein 2.0 ist abgesehen von „Se Wois“ un****fassbar langweilig!

In Tagen, die zäh wie grauer November-Kaugummi waren, der zu lang in der Handtasche gewohnt hat und beim Draufbeißen einfach in seine Einzelteile zerbröselt, habe ich meine Vorliebe für die unprätentiöse „Visite“ auf N3 entdeckt, ja genau, da geht es um Gesundheitsthemen. Ich habe mich gefragt, wer das Casting macht für „Abenteuer Diagnose“, wo wenn der Patient ein Mann mit Brille ist, der von irgendeinem Mann mit Brille gespielt wird, und die Ärztin mit den Locken von einer Frau mit Locken.. Und sind das wirklich Schauspieler?

Zurück beim Sport laufen die nun wieder erwachten Lebensgeister im Testbetrieb und auf dem Bildschirm in den n-tv-Nachrichten Meldungen wie „Kalaschnikow-Werke vor der Pleite“ und „Schwimm-Schweine schmecken besser“. Dabei dachte ich schon, es geht mir wieder besser! Abends werden die wiederlangten Reserven geschont mit einer 25-Jahre-Pompöös-Doku über das Leben des Harald Glööckler. Mit vorwurfsvoller Stimme weint eine Frau in die Kamera: „Der hat einfach mein ganzes Leben verschönert!“

Am Rande mitgekriegt habe ich, dass Adventskalender mit Schokolade die Gesundheit gefährden, das haben sie rechtzeitig Mitte November herausgefunden. Und der Media-Markt hat mit „Verrückte da draußen…“ eine sehr sehr große Zielgruppe für sich entdeckt. Gern gesehen habe ich übrigens den Auftritt von Peter Lohmeyer bei „Verstehen Sie Spaß?“, der latscht herein, knutscht erst mal alle ab und sagt dann, dass er eigentlich toootaaaaaal krank ist… Zu viel Fernsehen, wenn man krank ist, kann so und so nicht gesund sein! Ach ja, und Geschenke habe ich auch noch keine.

Gedächtnistest blau-gelb

11 Okt

Gerade hatte ich ihn noch, meinen Einkaufswagen. Musste nur schnell bei den Rahmen herumsuchen, nach den Postkarten mit den Retro-Motiven. Und hoppla, da ist er weg, der Wagen. Zusammen mit den Einkäufen und mit meiner uralten schwarzen Regenjacke. Die innen ein schönes Karomuster hat. Erstmal ein Rundumblick, habe ich doch woanders geparkt? Nein! So zerstreut bin ich nicht. Hat jemand anderes, der auch seine schwarze Jacke über den Griff geworfen hat, den Wagen verwechselt und ihn als seinen einfach weitergeschoben? Fehlanzeige. Bis zur Kasse mit rechts-links-rundum-Blick, nirgends ist er zu sehen.

Da werde ich kurz doch ganz wehmütig, die alte Jacke, wo überall hat sie mich vor regnerischem Ungemach bewahrt und man kann sie so wunderbar zusammenknäulen und immer noch sieht sie kein bisschen alt aus. Soll ich deswegen jetzt schlechte Laune kriegen? Soll ich den vermissten Wagen ausrufen lassen? Und habe ich Lust, das ganze Zeug, was im Wagen war, noch mal zusammenzusuchen? Auf keinen Fall! Werde ich mich dann jetzt bei jeder schwarzen Regenjacke mit innen Karomuster fragen, ob das mal meine war? Angesichts dieser düsteren Aussichten begebe ich mich zurück an den Ort, wo alles begann, in der Rahmenabteilung und werde die doofen Postkarten wieder los, die schuld an allem sind. Die will ich jetzt auch nicht mehr haben. Sollte ich wirklich das erste Mal Ikea verlassen, ohne auch nur ein Paket Servietten gekauft zu haben?

Nein, so leicht gebe ich nicht auf. Ich versuche mich in den Wagendieb hineinzuversetzen, so profilermäßig, und gehe langsamen Schrittes immer weiter gegen die Fahrtrichtung weiter. Und siehe da, zwei Abteilungen zurück, da steht er, ganz unschuldig schaut er drein, lammfromm hängt die schwarze Jacke, da wo sie hing und meine Produktauswahl hat der Wagenverschieber weder dezimiert noch sinnvoll ergänzt. Vor den komischen Papierleuchten, da wo ich ihn nie und nimmer habe stehen lassen. Sicherheitshalber sehe ich mir ab jetzt alle die Menschen genauer an, die auch ne schwarze Jacke über den Griff hängen haben, und der eine, der besonders verpeilt aussieht, der könnte es gewesen sein, sagt mein kriminalistischer Spürsinn. Der Rest kostet 38 Euro und dann habe ich genug von Gedächtnistest, hin- und hersuchen und wundere mich draußen, dass es gar nicht regnet.

Neues Hörgerät

21 Sep

Ah, jetzt, ja! Jetzt verstehe ich diese ganze Werbung für Hörgeräte im Fernsehen… Weil ich habe mir nach sieben Jahren(!) neue Ohrstöpsel für den iPod gekauft. Das kostet 29 Euro und ist wahrscheinlich die beste Investition des Jahres. Denn jetzt höre ich da, wo vorher nur fünf Tonspuren waren, ungefähr 870 Tonspuren! Eine Akustik, als wäre die Elbphilharmonie doch schon fertiggebaut, und das in einem einzigen streichholzschachtelgroßen Gerät. Außerdem haben die neuen Hörer eine Remote Control, mit der ich laut Bedienungsanleitung sogar Anrufe annehmen kann. Wie das gehen soll bei jemandem wie mir, der schon sein Handy meistens nicht hört, ist mir allerdings ein Rätsel…

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