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Mon Dieu, ZDF!

2 Jul

Mon dieu! Ich habe es doch noch geschafft, zwar nicht pünktlich, aber immerhin. Als ich den Fernseher anwerfe, ist alles voll rotem Teppich, Marmortreppen und Säulen. Und Charlene und Albert schauen betreten zur Seite.

Die Stimmung ist mäßig bis schlecht, würde ich sagen. Caroline blickt so besorgt drein wie Gaby Dohm. Albert hat tiefe Augenringe und Dackelfalten auf der Stirn. Er sieht ungefähr so begeistert aus wie ein Kind, das was auf dem Klavier vorspielen soll. Charlenes Blick wandert ins Nirvana – unter drei Lagen falschen Wimpern, das sieht immer aus wie auf Valium. Oder ist es vielleicht sogar ganz schlau, vor so einer Hochzeit ein Beruhigungsmittel zu nehmen? Während Charlenes komplettes Gesicht mit Highlighter bearbeitet wurde, war für Alberts Schädel nicht mal ein Hauch Puder übrig. Das lenkt mich optisch sehr ab. Textlich kann ich gar nicht abgelenkt werden, weil all das nicht kommentiert wird von den Kommentatoren.

Die beiden unterschreiben in der Palastkirche im großen Monaco-Buch, und zwar bei niemand geringerem als Marcel Reich-Ranicki. Seit wann arbeitet der denn da? Und warum wird mir das als Zuschauer gar nicht erklärt? Dann folgt der Gang nach draußen. Charlene wird jedoch immer wieder wie von einer unsichtbaren Kraft nach hinten gezogen, irgendwas ist mit dem Schleier. Albert greift beherzt ein, und rupft alles zurecht. Bestimmt gibt es noch eine monegassische Gouillotine im Palastkeller, und da wird heute abend noch jemand drunterliegen… Warum duckt sich Charlene? Hat sie Angst vor den Blütenblättern?Und warum hüpft Sarkozy so auf dem roten Teppich rum? Und warum sind diese monegassischen weißen Helme mit den roten Bommeln so unglaublich hässlich? Wer hat dieses tolle Logo AC (für Albert & Charlene) entworfen?

Das alles und noch viel mehr beantworten mir die Kommentatoren des ZDF leider nicht. Denn anstatt die Live-Bilder zu kommentieren, werden von irgendeinem Stichwortzettel so komische Infos abgelesen, die dann reihum von allen dreien wiederholt werden: Schuppiger Tiefsee-Tintenfisch, Hybridauto, Lexus, Lexus, Lexus, Schutzheilige Säää Dewott, Monaco ist gar nicht so groß, Grace Kellys Brautstrauß wurde bewacht.

Und dann muss Norbert Lehmann tatsächlich ablesen, welche Blumen in Schalllleens Brautstrauß sind. Karen Webb, Norbert Lehmann und Marie Waldburg von der Bunten, ich möchte euch zur Nachschulung schicken, und zwar zu niemand geringerem als Rolf Seelmann-Eggebert. Das ist der beste Fahrlehrer der königlichen Berichterstattung. Und zu Herrn Seelmann-Eggebert sage ich: Quand tu me quittes, je pars avec toi! (Wenn du mich verlässt, komme ich mit!)

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Je dis Oui

2 Jul

Früher war ich eindeutig besser informiert, was Adelshochzeiten angeht. Ich habe die Wochen und Monate vor der Hochzeit aufmerksam alles gelesen, was mir in die Finger kam, und mir natürlich die Tage der Hochzeiten schön freigehalten. Bei Viktoria & Daniel gab es die ganze TV-Übertragung (nur nebenher die Nähmaschine bestellt), Kate & William selbstverständlich auch, allerdings mit längerer Vorbereitung: Earl Grey kochen, Toast toasten, Union Jack flaggen. Dann gefühlte 9 Stunden auf den Kuss warten, Fußnägel lackieren.

Nur bei Charlene & Albert, da stimmt das Timing überhaupt nicht. Gelesen habe ich auch was über die beiden, aber irgendwie ging es die ganze Zeit nur um Grace Kelly. Irgendwie ist Monaco in meinem Hirn unabkoppelbar mit Formel 1 verpattext, und Albert ist mir nicht halb so sympathisch wie Stéphanie, die im Leben nix ausgelassen hat (Irresistable, Zirkusmänner und andere Affären, Zigaretten und Alkohol, und bestimmt auch noch was anderes).

Nachdem ich diese Woche erfahren musste, dass die Monaco-Hochzeit ohne Rolf SeelmannEggebert stattfindet, muss ich heute feststellen, dass ich zum ersten Mal seit jemals meiner Schaupflicht als Fernseh-Untertan nicht nachkommen kann, wegen einer wichtigen, persönlich betreuten Auslieferung (Affie). Und es kommt noch besser: Gestern abend muss ich erfahren, die beiden haben einfach schon vorgeheiratet. Standesamt, zu Hause! Das erfahre ich in „Leute heute spezial“, die mir in 30 Sekunden zusammengebastelt haben, was sonst immer einen halben Tag dauert.

Das wiederum muss ich sagen, ist ganz schön modern. Zack, zuhause heiraten, zwei Sessel fürs Brautpar (die gegenüber von der Couchgarnitur), die anderen nehmen Platz, wo sie noch einen finden, Oui und das wars. Vielleicht ist das erst recht gut, weil jetzt muss ich gar kein schlechtes Gewissen haben, dass das heute mit mir und Monaco nicht klappt.

Das war wirklich besser als alles, was ich für heute erwartet hatte: Sie kommt rein in Chancel, er zwinkert ihr zu, dann haucht sie „oui“. Fertig! Das gibt 5 Halbedelsteine auf meiner Sympathie-Krone.

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