Tag Archives: cool

Nicknames

17 Jul

Für Leute, die man oft sieht, hat man irgendwann Spitznamen. Also ich meine Leute, die man kennt. Nun passiert es mir immer wieder, dass sich bei mir Namen einschleichen für Leute, die ich zwar ständig sehe, aber eigentlich gar nicht kenne. In der Schule gab es den „Frosch“ (der mit der Quakstimme), den „Koffer“ (trug einen Aktenkoffer, wo doch damals nur Rucksäcke cool waren) oder den „Organisator“ (Schulsprecher, und dann auch noch der, der auf alle Demos geht). Und nicht zu vergessen den „Weltmeister“ (warum das so war, habe ich leider vergessen). Beim Tanzen gibt es das „Geschirrtuch“ (trägt gern karierte Hemden, wenn alle anderen schwarze T-Shirts tragen), das „Tablett“ (bewegt beim Zappeln die Arme, als würde er gerade ein voll beladenes Tablett stemmen) oder „den Mann, der nichts trinkt“ (trinkt nie was, wie er das macht, ist mir ein Rätsel).

Je öfter ich nun beim Sport bin, desto mehr spuken mir auch hier Namen durch den Kopf für Leute, die ich gar nicht kenne. Da gibt es den „Zenturio“ (leider ohne Römersandalen), es gibt „Herrn von Bödefeld“ (ja, er sieht so aus) und den „Gomera-Mann“ (macht immer Sport mit einem Kopftuch auf). Dazu kommen der „schwarze Kavalier“ (sitzt immer zufällig auf dem Fahrrad neben einer Frau und macht Konversation), „Frau Pferd“ (trägt ein Pferde-T-Shirt) und „der Boxer“ (macht immer Beinarbeit mit viel Gehopse da bei den Matten, wo zum Beispiel der „Yoga-Mann“ sich barfuss stundenlang verbiegt). Wenn man so schöne Namen haben kann, wer will da noch Hans und Franz heißen?

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Cool sein

23 Jul

Dieses coole Foto von William und Käthe (aus der Grazia) habe ich gestern in meine Handtasche gestopft und bin damit losgestratzt zum Kurs „Von der Kunst cool zu sein“ in der Modern Life School. Die erste „Class“, und dann gleich so ein wichtiges Thema. (Uncoolerweise gab es rund um die Haltestelle des Harburger Rathauses kein einziges Taxi, und ich bin dann ganz cool mit Stadtplan losgelaufen. Habe eine Ehrenrunde gedreht, um dann uncool gerade noch rechtzeitig um zwei vor Sieben im Ziel am Lotsekai einzulaufen.)

An dieser Stelle muss ich noch sagen, dass solche Gruppen-Dinger mir nicht unbedingt liegen. Aber wenn es ums „Coolsein“ geht, dann sollte man da vielleicht auch ganz cool rangehen, habe ich mir so gedacht. In den Augen der anderen Teilnehmer habe ich so was ähnliches gelesen. Eine hat das dann sogar gesagt, und das war dann schon der erste Lacher.

Die Atmosphäre im Klassenraum: Warm und freundlich. Cremeweiß und ein sattes Braun als Grundfarben, an der Wand ein Holzregal mit Reclamheften, großen Deko-Buchstaben, einem Keramik-Kopf und eine Ansammlung von Stiften, beherbergt in einem Blech-Bus. Das Stahl-Pult, die modernen Holzstühle und die kleinen Bänke an der Wand vermitteln mir tatsächlich das Gefühl, in einem Klassenzimmer zu sein. In einem sehr modernen!

Die „Schoolmasterin“ des Abends heißt Dr. Ricarda Granes (früher Ärztin, heute Kommunikationstrainerin und Coach). Sie geht mit uns auf eine kleine Reise zu den Ursprüngen des Cool-Seins, die mitgebrachten Ausrisse und Gegenstände werden zusammengetragen und genau betrachtet. Dann nimmt sie uns mit auf Streifzüge durch die Philosophie und auch ein bisschen Psychologie. Und schließlich landen wir bei kleinen Kommandos, die jedem zu mehr Coolness verhelfen können. Wenn man nicht zu cool ist, um auf sie zu hören. Was mir gut gefällt, ist, dass es genug Zeit und Luft gibt für Einwürfe und Denkanstöße, aber eben ohne die latente Aufforderung zum Mitmachen.

Das interessante dabei: Eben nicht nur meine eigene Einstellung zum Coolsein auf den Prüfstand zu stellen, sondern (und da war ich am neugierigsten drauf), was die anderen für coole Sachen zum Coolsein preisgeben. Ich weiß jetzt, dass manche Frauen nicht mal den ungeschminkt den Müll rausbringen wollen, weil das so uncool ist. Ob sie eher Nein sagen cool finden, oder einfach ihre Einstellung ändern, um cooler mit Dingen umzugehen. Oder dass es eben doch cool ist, mit Kind einen Kombi anzuschaffen (wenn man coolerweise die Zweisitzer trotzdem behält).

Das war ein Abend mit coolem Input und wie es im Flyer heißt „Philosophie zum Anfassen“. Die Class zum Coolsein gibt es wieder in sechs Wochen, Abende zu anderen interessanten Fragen des Lebens und mehr Infos bei der Modern Life School Hamburg.

Und so war ich heute beim Bäcker die Zeitung holen: Leggins, Nachtgewand, Jeans-Jacke, Handtasche, ungeschminkt und verstrubbelt. So kennen mich die da. Aber ich finde es manchmal auch cool, wie sie mich ansehen, wenn ich geduscht, aufgerüscht und angemalt später am Tag noch mal reinschaue…

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