Tag Archives: improvisieren

80er Jahre-Marktforschung

3 Mai

Wiedergefunden: Eine ewig alte Doppel-CD mit „Modern 80s“ mit so schönen Perlen wie „Slice me nice“, „I Engineer“, „Voyage, voyage“ und „You keep me hanging on“. Genau der richtige Soundtrack für einen frühlingshaften Küchen-Abend! Während wir so saßen und ich in dem Booklet herumwühlte auf der Suche nach schönen alten Fotos fand ich dort integriert eine Antwort-Postkarte der Polygram.

Mein Besucher musste leider alle Fragen beantworten, die so sinnig waren wie „Wo hast Du die CD gekauft?“ oder „Wodurch bist Du hauptsächlich auf diese CD aufmerksam geworden?“ (hauptsächlich war unterstrichen). Also, eigentlich habe ich die CD gekauft, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, wann oder wo. Zum Glück war mein Gast sehr gut im Improvisieren. Aber auch „Was siehst Du Dir im Fernsehen an?“ war sehr aufschlussreich (da war er ehrlich) und „Wie findest Du das Cover?“ (da war er auch ehrlich). Und hier noch meine Lieblingsfrage aus dem Polygram-Fragenkatalog: „Welche Zeitschriften liest Du regelmäßig (keine Zeitungen)?“ Ach so!

Netterweise hat mich mein Gast darauf aufmerksam gemacht, dass ich die Antwort-Postkarte gar nicht an die Polygram zurückschicken kann, weil es die nicht mehr gibt. Irgendwo bei Universal Music an der Spree stehen also wohl noch ein nie verloster CD-Player (eingestaubt) und geschätzte 20 von insgesamt 99 CDs, die im untersten hintersten Regal im Lager vielleicht schon angeschimmelt sind. Aber jetzt, wo wir uns schon die ganze Mühe gemacht haben, schicke ich das Ding natürlich ab. Die werden sich freuen!

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Balkontheater

26 Apr


Auf das schwarze Brett im Hauseingang hat es ein Flyer geschafft, der verkündet fröhlich: „Altona macht auf!“ Das ist insofern bemerkenswert, weil hier sonst nur ein Zettel vom Hausmeister-Team hängt und die Nummer vom Schlüsselnotdienst. Ein haus- und fachfremder Aushang, noch dazu in 4C, das ist allein schon eine Premiere.

Darum geht’s: Zur Altonale sind dieses Jahr die Bewohner unseres Stadtteils eingeladen, mithilfe von theaterlich erfahrenen Coaches ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, um dann im Juni auf ihrem eigenen Balkon aufzutreten.

Dann können die Hamburger also mal im wahrsten Sinn des Wortes aus sich herausgehen! Grünpflanzen, Balkonkästen und Draußentische und -stühle müssen wohl Platz machen für das aktuelle Bühnenbild. Die Balkon-Schauspieler können ihre eigenen Spielpläne erstellen und sich in ihrer Küche eine ordentliche Theaterkantine einrichten. Der Spiegel im Bad wird rundum mit kleinen Glühbirnen verschönert und unterm Arm trägt man dann lässig sein Textbuch mit all den Texten, die noch dringend gelernt werden müssen. Wer ganz cool ist, improvisiert einfach auf dem Balkon (oder ist das jetzt nur ein zu laut gewordenes Telefonat mit der Mutti?).

Bleibt nur noch die Frage: Was machen all die armen balkonlosen Altonesen? Kann ich dann wenigstens noch Souffleuse oder Kartenabreißerin werden? Oder soll ich noch schnell einen Klappbalkon erfinden, den man einfach ans Haus dranschnallen kann?

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