Tag Archives: Katze

Nicht ohne meinen Ikea-Katalog 2013

9 Sep

Lieber Sonntag, gestern warst Du ein Tag ohne Ambitionen, ohne Kommen und Gehen, ein merkwürdiges Etwas ohne Ecken oder Kurven. Eingelullt von all deinen Regenwolken war ich versteckt in einem Kapuzenpulli, ich war in meiner Couch, ich war in Gedanken. Die Katze hat in ihrem Fell geblättert und ich in alten Zeitschriften. Lieber noch hätte ich den neuen Ikea-Katalog geblättert. Alle Jahre wieder ist dieses Herumwarten eine langatmige schwedische Gedulds-Übung. Ich träume von einem Sofa, auf dem man immer gleich einschlafen kann auch wenn man schon drei Stunden im Bett gerumgewühlt hat. Von einem Silbertablett, auf dem man in Lebensgröße sich räkeln kann. Von einer Lampe, die immer schon an ist, wenn man heimkommt, wie im Film. Ich wünsche mir eine Küche, die immer freitags aussieht wie gerade eingebaut und montags die Farbe wechseln kann und dazu einen Kleiderschrank mit Geheimfach. Geduld, du bist so groß und so ungeduldig. Ikea-Katalog, du kannst jetzt kommen. Komm!

Sommerloch und Simpsons-Wolken

4 Aug

Liebe Blogleser, es hat ganz schön lang gedauert, ich weiß. Wenn man erst mal anfängt, eine Pause einzulegen, dann weiß man am Anfang noch gar nicht, wo das Ende sein wird. Aus einem kurz die Augen zu machen ist ein Nickerchen geworden und dann irgendwie Betriebsferien mit ohne Schild an der Tür.

Nicht, dass nichts passiert wäre. Es gab viele Sonntage, an die ich hätte schreiben können – aber ich habs einfach nicht gemacht. Wenn ich in der Hamburger Morgenpost gelesen habe, hat es in den Fingern gejuckt. Ich hätte darüber philosophieren können, wie meine winkende Solar-Queen im Frühjahr nicht mal gezuckt hat, und jetzt so laut winkt, dass meine Freundin neulich dachte, die Katze schnurrt. Oder über meine neue Vorliebe für Blau, 30 Beiträge über „Schlag den Raab“ und „Schlag den Star“, oder ein paar Zeilen, warum es so praktisch ist, dass die NSA jetzt alles weiß (falls mir zum Beispiel entfallen ist, was ich ins Blog schreiben will, die werdens schon wissen).

Heute lieber Sonntag, bist du jedenfalls voller Simpsons-Wolken. Langgezogene, weiße Watteberge, die wie ein Ticker an meinem Küchenfenster vorbeiziehen und mir sagen morgen wird es auch schön. Und übermorgen. Und überübermorgen. Kein Schönwetterstress, du ruhst in dir wie eine ganz geerdete Yoga-Übung und schreibst auf Facebook auch was mit Sand und Sonne und mit Foto dazu. Du hast offene Schuhe an, deine Sonnencreme riecht dezent nach Kokos und du willst jedes Lied im Radio mitsingen… Das wollte ich dir schon lang mal sagen. Du Sonntag, ich kann dich echt gut leiden.

Wowereit ohne BER

9 Jan

Viele Leute misten Ende des Jahre aus, und wer da noch nicht dazu gekommen ist, der macht es einfach gleich jetzt am Jahresanfang, Da heißt es entstauben und wegräumen, hier und da ist es sogar eine ganz große Großbaustelle, mit der man von jetzt auf gleich nichts mehr zu tun hat, das ist zum Beispiel dem Herrn Wowereit passiert. Ist er nun der regierende Bürgermeister von LIN? Das BER ist ja weg jetzt… Paare trennen sich, ganz geordnet in alphabetischer Reihenfolge, erst die van der Vaarts, dann die Wulffs, mit X müsste dann ja… fällt mir jetzt gar niemand ein, hm. Der Udo Walz hat sich von ein paar Kilos getrennt, nicht aber von seinen Polypen, und in der anderen Werbung für gefriergetrocknetes Joghurt zum Abnehmen wird schon wieder der gelbe Bikini ausgepackt, der Rest vom Weihnachts-Spot durfte bleiben, länger sogar als der Weihnachtsbaum, der auf den Straßen herumfläzt und im Hamburger Dauerregen nicht einmal daran denkt, sich von seinen Nadeln zu trennen. Die Geschenke sind verräumt, aber von den Kartons mag sich die Katze noch nicht trennen. Der Handfeger liegt im Auto, wartet auf Schnee. Oder auf den Frühling. Oder auf einen neuen Flughafen in Berlin.

Tatort ohne Beinkleid

17 Sep

Gestern war ich auf einer Hochzeit in einem Landgasthof. Das hatte ich gar nicht vor, aber die ARD kann unerbittlich sein. Die Hochzeitsfeier ist allerdings ein bisschen ausgeartet: Auf einmal kamen zwei schwarz gekleidete Männer rein und dann gab es ein einziges Rumgeschreie, Rumgezerre und Geschubse mit viel Waffengefuchtel, laut war das und voll anstrengend. Einzig der draußen im Dunkeln und ohne Beinkleid herumtappende Hochzeitsgast, der nur mal eben mit dem Hund raus wollte, also der hat mich aufgeheitert. Was die Herren und Damen Tatortproduzenten wohl bisher noch nicht wissen: Ich hasse es, wenn sich alles in Pseudo-Echtzeit an nur einer Location abspielt! Da hilft nur nebenher kleine Päckchen mit dänischen Lakritzstangen aufpacken, vierhändige Thaimassage für die Katze, zwischendurch die Tee-Abteilung im Küchenschrank aufräumen, um dann bei der Rückkehr vor die Mattscheibe zu sehen, dass die alle da immer noch nicht weitergekommen sind. Wenn man um 21.45 Uhr feststellt, dass das anstrengendste am ganzen Tag der Tatort war, dann ist irgendwas falschgelaufen! Nette Idee mit der verlorenen Hose, ansonsten hat dieser Tatort auf ganzer Linie verloren.

Achtung, Postbote

10 Sep

Was für ein gruseligschöner Tatort gestern: „Borowski und der stille Gast“. Ein Stalker, der Schlüssel nachmachen kann, Briefe mit Wasserdampf öffnet und eine Passion für Zahnbürsten hat, die bei dunkelhaarigen Frauen wohnen.

Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass außer mir noch jemand in der Wohnung ist. Wie sich dann meistens herausstellt, handelt es sich um eine Katze. Postboten gegenüber bin ich mißtrauisch, vor allem wenn sie ne Designerbrille tragen und wissen, wo die Kaffeefilter im Hängeschrank sind (bei mir tut es der Espressokocher, keine Filtertüten, Glück gehabt).

So spannend war der Kieler Tatort, dass ich mich original erschreckt habe, als es geklingelt hat. War aber nur jemand, der einen bei mir geparkten Schlüssel abholen wollte. Ach ja, und vor dem Zähneputzen habe ich mich versichert, dass das Putzwerkzeug schon benutzt ist. Und auf den Spiegel gehaucht habe ich auch. Heute gab es keine gruselige Paketlieferung, nur die Zeugen Jehovas haben geklingelt (ausgerechnet heute?). „NeindankeaufgarkeinenFall!Danketschüs“, und dann der Abspann.

Nicht ohne meinen Ikea-Katalog

5 Sep

Alle Jahre wieder: Alle haben sie den neuen Ikea-Katalog, nur ich nicht. Keiner im Briefkasten, keiner auf der Treppe, schluchz. Aber jemand, der es gut mit mir meint, hat mir die Autumn/Winter/Spring/Summer-Kamprad-Kollektion zukommen lassen, damit ich ihn oldschoolmäßig blättern und all die Dinge ankringeln kann, die ich nicht brauche.

Ein echtes Highlight: Die Katze, die in ihrer eigenen Ausstellung herumtapst. Ergo: Wenn das Motiv stimmt, kann auch der Rahmen nur semischön sein. Überhaupt kommt dieses Mal fast keine Seite ohne Tiere aus, egal ob Schmetterlingsposter im Hintergrund, eine kleine Karawane Stofftiere, die sich an einem Stapel Stoffe vorbeischlängelt oder das Frettchen und das Bambi, die auf Seite 28/29 unter Glashauben gefangen gehalten werden (Foto rechts).

Sehr gut angekommen ist bei mir  die Idee, eine Ikea-Kommode mit viel Farbe zu bewerfen (sieht gleich viel besser aus!), einige andere Selber-mach-Projekte wie spiddelige Tischbeine mit Rosenstoff zu umwickeln oder eine Kommode mit Stoff zu bekleben sehen hingegen so aus, als hätte die Art-Direktion vergessen, sie noch rauszuwerfen.

Außerdem gefallen haben mir die merkwürdige Lampe mit Ballettseide (ist auf jeden Fall ein Statement, die Frage ist nur, was für eins) und der Yoga-Aspekt mit meditierendem Mann und lila Wand auf Seite 54. Versteckt auf Seite 16 habe ich dann als Lohn dafür, dass ich auch die Drumherum-Texte lese, diesen schönen Satz gefunden: „Es gibt mehr im Leben als Möbel“. Da gebe ich Euch so recht!

Baggerschlaf

19 Aug

An so einem heißen Tag wie heute fahre ich schattenparkermäßig um kurz vor neun zum Sport. Auf dem Weg dorthin habe ich zwei Bagger gesehen, die waren noch am Schlafen in ihrem Doppelbett aus Schutt. Das sah nach trauter Zweisamkeit aus, ich habe schnell das Foto gemacht und sie weiterschlafen lassen. Wovon die wohl träumen? Von schönen großen Baggerschaufeln oder widerspenstigen Backsteinwänden? Ich habe auch gleich noch die einzige mir bekannte Klosterfrau-Melissengeist-Leuchtreklame fotografiert, die genau gegenüber von den Baggern wohnt. Sonst war gar nix los in der Straße. Nicht mal einem Hundehaufen bin ich begegnet. Nur das lettische Auto, das schon seit fünfzig Monaten da parkt, das hatte einen bösen gelben Abschleppzettel dran.

Gut, dass ich nach getanem Sport in der Umkleide eine Freiwillige gefunden habe, die mir den Rücken eincremt, den auf meiner Lieblingswiese war heute auch schon Nebensaison, und ich hätte nur den total verbrutzelten G-String oder den Flascheneinsammler mit der Vespa fragen können. Wo sind bloß die ganzen Leute, habe ich mich gefragt. Fahren die alle beim Radrennen mit? Oder sind die noch fertig von dem Schiffs-Spektakel gestern im Hafen? Oder sind sie vorübergehend in ihrem Kühlschrank eingezogen?

Meine nächste Station: Eine befreundete Terrasse mit großem Sonnenschirm, mit Spaghetti-Eis und rotem Kater. Freundlicherweise habe ich auch noch ein kaltes Fußbad bekommen, eine Analyse von der Krömer-Show gestern (da schluf ich schon) und Lesefutter. Dankeschön! Mein Dank gilt heute außerdem natürlich dem Konstrukteur des Fahrradkorbes, weil da die Sporttasche hochkant reinpasst, daneben noch die Draußen-Tasche und die zwei Bücher locker auch noch. So habe ich die Arme frei, den Kopf frei, das Sonnenkonto aufgetankt und bin startklar für die neue Woche.

Und was macht die Katze, wenn es so heiß ist? Begrüßt mich langgestreckt im Flur, hat in ihrem Wassernapf herumgeplanscht, noch ganz nasse Pfoten, kleine Überschwemmung im Wohnzimmer, sie verlangt nach nassem Nassfutter mit viel Hühnchen drin und übt sich dann in einer lässigen Halbprofil-Pose.

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