Tag Archives: Sonne

Gedächtnistest blau-gelb

11 Okt

Gerade hatte ich ihn noch, meinen Einkaufswagen. Musste nur schnell bei den Rahmen herumsuchen, nach den Postkarten mit den Retro-Motiven. Und hoppla, da ist er weg, der Wagen. Zusammen mit den Einkäufen und mit meiner uralten schwarzen Regenjacke. Die innen ein schönes Karomuster hat. Erstmal ein Rundumblick, habe ich doch woanders geparkt? Nein! So zerstreut bin ich nicht. Hat jemand anderes, der auch seine schwarze Jacke über den Griff geworfen hat, den Wagen verwechselt und ihn als seinen einfach weitergeschoben? Fehlanzeige. Bis zur Kasse mit rechts-links-rundum-Blick, nirgends ist er zu sehen.

Da werde ich kurz doch ganz wehmütig, die alte Jacke, wo überall hat sie mich vor regnerischem Ungemach bewahrt und man kann sie so wunderbar zusammenknäulen und immer noch sieht sie kein bisschen alt aus. Soll ich deswegen jetzt schlechte Laune kriegen? Soll ich den vermissten Wagen ausrufen lassen? Und habe ich Lust, das ganze Zeug, was im Wagen war, noch mal zusammenzusuchen? Auf keinen Fall! Werde ich mich dann jetzt bei jeder schwarzen Regenjacke mit innen Karomuster fragen, ob das mal meine war? Angesichts dieser düsteren Aussichten begebe ich mich zurück an den Ort, wo alles begann, in der Rahmenabteilung und werde die doofen Postkarten wieder los, die schuld an allem sind. Die will ich jetzt auch nicht mehr haben. Sollte ich wirklich das erste Mal Ikea verlassen, ohne auch nur ein Paket Servietten gekauft zu haben?

Nein, so leicht gebe ich nicht auf. Ich versuche mich in den Wagendieb hineinzuversetzen, so profilermäßig, und gehe langsamen Schrittes immer weiter gegen die Fahrtrichtung weiter. Und siehe da, zwei Abteilungen zurück, da steht er, ganz unschuldig schaut er drein, lammfromm hängt die schwarze Jacke, da wo sie hing und meine Produktauswahl hat der Wagenverschieber weder dezimiert noch sinnvoll ergänzt. Vor den komischen Papierleuchten, da wo ich ihn nie und nimmer habe stehen lassen. Sicherheitshalber sehe ich mir ab jetzt alle die Menschen genauer an, die auch ne schwarze Jacke über den Griff hängen haben, und der eine, der besonders verpeilt aussieht, der könnte es gewesen sein, sagt mein kriminalistischer Spürsinn. Der Rest kostet 38 Euro und dann habe ich genug von Gedächtnistest, hin- und hersuchen und wundere mich draußen, dass es gar nicht regnet.

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Jackenkasper

30 Apr

So ging es heute den ganzen Tag: Jacke an (vor dem Sport), Jacke aus (Sportsachen an), Jacke wieder an (nach dem Sport), war aber ganz schön warm in der Sonne, also Jacke wieder aus, auf dem Fahrrad war es aber noch frisch (Jacke an), auf der Bank in der Sonne warm (Jacke aus), und als sie dann wieder weg war, musste die Jacke wieder an.

Während ich mich langsam gefühlt habe wie ein Jackenkasper, habe ich bemerkt, dass andere Menschen das Jackenthema wesentlich pragmatischer angehen. Entweder sie haben eine schön dicke Lederjacke an und ziehen die stur gar nicht aus. Oder sie haben einfach nur ein T-Shirt an, schon gar keine Jacke dabei, aber auf jeden Fall eine Sonnenbrille auf der Nase.

Passende Ohrringe für wechselwarme Menschen wie mich habe ich bei Topshop entdeckt für schlappe sieben Euro. Sehen  ein bisschen nach Geschenk vom Klempner aus, aber haben eindeutig mehr Stil als ein Einhebelmischer.

Wir, die Rausgeher

25 Mrz

Wenn die Bedienung an den Tisch kommt und sagt „Kann ich die Tasse da schon mal mitnehmen? Uns geht schon das Geschirr aus!“ – dann muss es sich eindeutig um diesen supersonnigen, auf Sommerzeit umgestellten, vogelverzwitscherten Sonntag heute handeln. Wenn in Hamburg alle alle draußen sind. Wenn auf der Liegewiese kaum noch ein Fleckchen kalter Boden frei ist. Wenn die Cabriofahrer zum ersten Mal dieses Jahr ohne Halstuch fahren. Und die Schlange vor der Eisdiele länger ist als die am Bankomaten vor Weihnachten.

Das ist Jahr für Jahr immer wieder faszinierend! Weil diese Art von Wir-Gefühl, das gibt es ja nicht mehr so oft. Wir, die Rausgeher. Wir, die wir unsere Fahrräder wieder aus dem Keller geholt haben. Wir, die uns einfach zu Fremden an die Bierbank setzen. Wir rücken jetzt mal zusammen, und dann blinzeln wir zusammen in Richtung Elbe. Und das beste daran: Wir haben heute eine Stunde mehr! Also natürlich ist es eine Stunde weniger, aber dafür ist es eine Stunde länger hell. Und nur das zählt für die Rausgeher.

Mopo 26. Juli

26 Jul

Liebe Mopo, Mette-Marit weint um ihren Stiefbruder, der auf der Insel Utoya erschossen wurde. Auf der Titelseite schreibt ihr, er sei ihr Bruder, und auch die Überschrift des Artikels vergisst den Wortteil “Stief-”. Dabei wäre auf beiden Seiten noch genug Platz gewesen. Auf Seite 3 habt ihr sogar noch den Raum für die fehlenden Buchstaben freigelassen: die Zeile reicht gar nicht bis nach rechts rüber. Das soll jetzt keine Haarspalterei sein. Ich finde das alles so und so schlimm, aber noch schlimmer finde ich, wenn ihr diese schlimme Nachricht durch das Weglassen des richtigen Verwandtschafts-Grades noch schlimmer machen wollt. Pauz.

Da ist sie ja wieder, die Sonne! “Im lauschigen Kaffeegarten Schuldt scheint die Zeit stehen geblieben zu sein”. Ja, das scheint ganz so. Oder warum sonst sehe ich die Café-Gäste auf der grünen Terrasse in Top und T-Shirt sitzen und blauen Himmel und Sonnenschein genießen? Mauz.

Einen Hinweis zu “Yoga im New York Style” finde ich auf der Stadt & Land-Seite. Nur leider wird gar nicht erklärt, was da jetzt eigentlich New York daran ist.Vielleicht der Veranstaltungsort in einem Loft? Ich lese von einem “Intensivkurs in modernster Umgebung”, der “gigantisch” ist. Bitte was? Ein Yoga-Kurs auf 800 Quadratmetern mit bis zu 150 Teilnehmern, das riecht für mich nach Massenveranstaltung und der Text, der riecht irgendwie nach PR. Eure Mauzipauzi

Sonntag, du hast die Hosen an

24 Jul

Lieber Sonntag. Heute hast du die Hosen an. Du bist so lustlos wie das Pfützenkind aus der Sanostol-Werbung. Da nutzt auch kein gut zureden. Heute willst du einfach nicht. Da muss ich mich wohl unterordnen. Eine Hose habe ich auch schon angezogen. Und was langärmeliges. Und darüber wiederum eine Wolljacke.

Früher wollte ich dich ändern. Ich wollte immer raus mit dir. Ich wollte viel mehr erleben als in einen Sonntag reinpasst. Ich wollte am liebsten, dass du mir alles gibst, wofür die anderen Tage keine Zeit hatten. Aber das hat dir gar nicht in den Kram gepasst. Ausschlafen, Leute treffen, Liegengebliebens aufarbeiten und dabei noch entspannen – den Vogel hast du mit gezeigt.

Heute hast du mich früh geweckt. Damit ich endlich Zeit habe für weniger, nicht für mehr. Jetzt kann es regnen. Es könnte auch mal wieder die Sonne scheinen. Hauptsache du hast die Hosen an.

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