Tag Archives: Sonntag

Sonntag, du bist ein Engländer

7 Aug

Sonntag, du hast dir heute ein lässiges Grinsen ins Gesicht gezaubert und mich auf den British Day entführt. Der Polo-Rasen so grün, der Himmel so blau, die kleinen spitzdachigen Zelte so weiß. Ich habe den Geruch von Pferden und alten Autos in der Nase, und natürlich von Fish & Chips mit Vinegar. Der Mann von der Whisky-Verkostung hat die gleiche Karohose an wie letztes Jahr. Bei der Tombola gibts mal wieder nicht den Hauptgewinn. Die starken Männer in ihren Kilts machen sich schon mal warm für den Baumstammweitwurf. Und wer nicht einen Jack Russell an der Leine hat, kann ungehemmt mit allen Hunden flirten. Sogar einen Queen-Hund hast du für mich dorthinbestellt. Sonntag, du bist heute ein Engländer, und das steht dir gut. Du kannst dich auch mit Regen vergnügen. Deshalb hast du Sonne bekommen.

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Sonntag, du bist eine Sauna

31 Jul

Sonntag, heute bist du eine Bio-Sauna. Du magst es warm, aber nicht so heiß, und die Feuchtigkeit in der Luft riecht wie der Duft frischer Wäsche. Reden tust du nicht viel heute. Das ist ja irgendwie verpönt in der Sauna. Wir kennen uns ganz gut, da ist vieles schon gesagt. Wenn auch längst nicht alles. Was würde sonst aus der geliebten Sonntags-Ode werden? Aber gucken ist erlaubt, ein bisschen jedenfalls. Und wo kann man auch wenig reden und ein wenig schauen? Da gehe ich jetzt hin. Ins Museum. Das ist ein sonntäglicher Ort, ein Betrachten und in Ruhe lassen. Meine Freundin nehme ich mit. Die kann ich dann stupsen oder anzwinkern, wenn ich was sehen. So wie in der Sauna.

Sonntag, du hast die Hosen an

24 Jul

Lieber Sonntag. Heute hast du die Hosen an. Du bist so lustlos wie das Pfützenkind aus der Sanostol-Werbung. Da nutzt auch kein gut zureden. Heute willst du einfach nicht. Da muss ich mich wohl unterordnen. Eine Hose habe ich auch schon angezogen. Und was langärmeliges. Und darüber wiederum eine Wolljacke.

Früher wollte ich dich ändern. Ich wollte immer raus mit dir. Ich wollte viel mehr erleben als in einen Sonntag reinpasst. Ich wollte am liebsten, dass du mir alles gibst, wofür die anderen Tage keine Zeit hatten. Aber das hat dir gar nicht in den Kram gepasst. Ausschlafen, Leute treffen, Liegengebliebens aufarbeiten und dabei noch entspannen – den Vogel hast du mit gezeigt.

Heute hast du mich früh geweckt. Damit ich endlich Zeit habe für weniger, nicht für mehr. Jetzt kann es regnen. Es könnte auch mal wieder die Sonne scheinen. Hauptsache du hast die Hosen an.

Sonntag, du bist ein Schwamm

17 Jul

Gestern war ein sommerlicher Tag. Mit Fahrrad, mit richtigem Sonnenuntergang und Boxkampf ohne Werbepausen. Heute hingegen ist der Tag ein Schwamm. Ein unentschlossenes Etwas, das die Stunden und die wenigen Sonnenstrahlen in sich aufsaugt. Selbst die Wolken können sich nicht entscheiden, ob sie nun regnen wollen oder nur böse aussehen. Ein langweiliger Boxkampf des Wetters. Ein Tag zum Kniestrümpfe rausholen. Zum Waschmaschine entkalken bei 95 Grad. Ein Tag zum Radio anmachen und nicht hinhören. Zum Icon-Taschenbücher blättern und einen Katzenspielplatz aus Papp-Stehordnern bauen. Ein Tag für kleine Expeditionen in den eigenen vier Wänden und im Kopf. Ein Tag ohne Wecker und ohne Tatort. Der ausfällt wegen dem Damen-Fußball-WM-Finale, das sich auch nur noch wie ein Schwamm voll Tränen der deutschen Fußballfrauen anfühlt. Du Sonntag, du bist ein Schwamm. Auf der einen Seite kratzst du, und auf der anderen bist du ein großes weiches Kissen zum ausruhen und innehalten.

Kleiderfrage

17 Jul

Hat man an diesem Sonntag, der sich nicht entscheiden kann, erst mal die Kleiderfrage beantwortet, ist auch die Getränkefrage kein Problem mehr. Schmeckt nach grünem Tee mit ein bisschen Honig, aber nicht nach rosa Blüten. Ein Glück! Dose wird natürlich aufgehoben…

Sonntag

10 Jul


Sonntag morgen in Altona. Die Stadt blinzelt kurz und dreht sich noch mal auf die andere Seite. Die Neue Große Bergstraße ist leergefegt wie ein Supermarkt-Regal an Silvester. Das Sommerlicht ist warm und mild. Sogar die Betonplatten sehen aus wie Topmodels aus Zement. Am Bahnhof wird es unromantisch: Das angesagteste Accessoire ist eine Packung Toilettenpapier von Rossmann unterm Arm. Ich sehe ungepflegte Füße und große Koffer. Kleine Sommerwolken fliegen über das große Himmelblau. Und beim Radfahren bleiben die Fliegen in meinem Lipgloss hängen.

Stadtrundfahrt

26 Jun

Sonntag morgen, auf der Elbchaussee. Der Dauerregen der letzten Tage hängt noch in der Luft. Die Villen mit Elbblick sehen aus wie eine weichgezeichnete Welt voll unglücklichem Geld. Bei der schönen Kirche gibt es keine Hochzeit. Und bei Teufelsbrück sitzen zwei einsame Seelen in der Bushaltestelle und warten, dass der Bus sie in den Tag fährt. In Eimsbüttel sehe ich die meisten Menschen auf der Straße. Sie radeln entspannt ihre Brötchen nach Hause. In Eppendorf sind alle goldenen Schlösser noch zu. Nur die Schlange bei Dat Backhus, die geht bis auf die Straße raus. Alles Männer. Und die Frauen legen zu Hause gerade ihre Perlenkette an. In Lurup werden die Häuser ganz flach, die Straßen tragen so hübsche Namen wie Ringeltäubchenweg. Und schließlich Altona. Wie ein alter Kumpel, der mir die Hand auf die Schulter legt. Vor dem B&B in der Stresemannstraße blitzen die Motorräder in der Sonne. Jetzt beginnt der Tag.

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