Tag Archives: Sport

Die kleine Casting-Agentur im Kopf

7 Nov

Beim Sport, da sind immer wieder Menschen, die einem von irgendwoher unheimlich bekannt vorkommen, von der Mattscheibe zum Beispiel oder aus dem Theater, wenn man hingehen würde. Drei Straßen weiter ist eine Probebühne, wo die proben und nochmal proben, und zwischendurch gibt es eine Einheit Sport. Das ist ja wohl klar, weil wie sollen die sonst fit sein, wenn sie mal wieder eine Verfolgungsjagd drehen?

Gestern lief dort ein Film-Mensch herum, den habe ich erst gar nicht erkannt. Aber manchmal schauen die Schauspieler dann so drein wie 1. Ich will heute bitte nicht erkannt werden oder 2. (so war es gestern) Schau mal, ich glaube, die/der erkennt mich, und dann geht die Casting-Agentur im Kopf los und man denkt, aha, den/die müsste ich also kennen und dann wird so lange im Kopf hin- und hertelefoniert, bis man auf den Namen kommt oder wenigstens auf das Gesicht. Der Südländer in mir sagt einfach Hallo, und der eingehamburgerte Teil nickt innerlich, ja, ich habe Dich erkannt und werde nix sagen.

Selbst wenn ich nicht mit offenen Augen durch die Welt gehen würde, hätte ich den Pulk Filmvolk schlecht übersehen können, der heute mitten in Ottensen ein Siebzehntel Großstadtrevier gedreht hat. Schauspielerin kommt aus dem Haus, steigt ins Auto und vier Passanten immerhin fanden das so spannend, dass sie stehengeblieben sind. Ich musste leider weiter… Nur um dann auf der anderen, nicht so schicken Seite von Altona, mitten in einer unscheinbaren Wohnstraße einen so richtig bekannten Schauspieler in sein Auto hechten zu sehen, der sich mit Blick Nummer zwei ans Kopf-Casting gewandt hat – hey, ich glaube, sie erkennt mich.

Das hat sie, jawoll, aber wie gesagt, der Hamburger an sich bleibt da eher cool, an jeder Ecke wird so ungefähr ein Film gedreht, naja fast. Trotzdem staune ich diese Woche über diese ungeahnte Schauspieler-Dichte und frage mich, ob das ein dezenter Hinweis ist, dass ich bald von Schauspielern umzingelt werde, wenn ich nicht mal wieder was Nettes über den Tatort schreibe. Nichts lieber als das! Und übrigens in echt seht Ihr immer ganz genau so aus wie im Fernseh‘, nur das Licht ist nicht so gut…

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Krank 2.0

29 Nov

Der erste grippale Infekt dieses Jahr (früher hat man ja gesagt, ich habe die Grippe, aber jetzt weiß man es besser), das Blog liegt solidarisch in einem fiebrigen Schlafkoma (mindestens) und ich stelle hiermit fest: Kranksein 2.0 ist abgesehen von „Se Wois“ un****fassbar langweilig!

In Tagen, die zäh wie grauer November-Kaugummi waren, der zu lang in der Handtasche gewohnt hat und beim Draufbeißen einfach in seine Einzelteile zerbröselt, habe ich meine Vorliebe für die unprätentiöse „Visite“ auf N3 entdeckt, ja genau, da geht es um Gesundheitsthemen. Ich habe mich gefragt, wer das Casting macht für „Abenteuer Diagnose“, wo wenn der Patient ein Mann mit Brille ist, der von irgendeinem Mann mit Brille gespielt wird, und die Ärztin mit den Locken von einer Frau mit Locken.. Und sind das wirklich Schauspieler?

Zurück beim Sport laufen die nun wieder erwachten Lebensgeister im Testbetrieb und auf dem Bildschirm in den n-tv-Nachrichten Meldungen wie „Kalaschnikow-Werke vor der Pleite“ und „Schwimm-Schweine schmecken besser“. Dabei dachte ich schon, es geht mir wieder besser! Abends werden die wiederlangten Reserven geschont mit einer 25-Jahre-Pompöös-Doku über das Leben des Harald Glööckler. Mit vorwurfsvoller Stimme weint eine Frau in die Kamera: „Der hat einfach mein ganzes Leben verschönert!“

Am Rande mitgekriegt habe ich, dass Adventskalender mit Schokolade die Gesundheit gefährden, das haben sie rechtzeitig Mitte November herausgefunden. Und der Media-Markt hat mit „Verrückte da draußen…“ eine sehr sehr große Zielgruppe für sich entdeckt. Gern gesehen habe ich übrigens den Auftritt von Peter Lohmeyer bei „Verstehen Sie Spaß?“, der latscht herein, knutscht erst mal alle ab und sagt dann, dass er eigentlich toootaaaaaal krank ist… Zu viel Fernsehen, wenn man krank ist, kann so und so nicht gesund sein! Ach ja, und Geschenke habe ich auch noch keine.

Baggerschlaf

19 Aug

An so einem heißen Tag wie heute fahre ich schattenparkermäßig um kurz vor neun zum Sport. Auf dem Weg dorthin habe ich zwei Bagger gesehen, die waren noch am Schlafen in ihrem Doppelbett aus Schutt. Das sah nach trauter Zweisamkeit aus, ich habe schnell das Foto gemacht und sie weiterschlafen lassen. Wovon die wohl träumen? Von schönen großen Baggerschaufeln oder widerspenstigen Backsteinwänden? Ich habe auch gleich noch die einzige mir bekannte Klosterfrau-Melissengeist-Leuchtreklame fotografiert, die genau gegenüber von den Baggern wohnt. Sonst war gar nix los in der Straße. Nicht mal einem Hundehaufen bin ich begegnet. Nur das lettische Auto, das schon seit fünfzig Monaten da parkt, das hatte einen bösen gelben Abschleppzettel dran.

Gut, dass ich nach getanem Sport in der Umkleide eine Freiwillige gefunden habe, die mir den Rücken eincremt, den auf meiner Lieblingswiese war heute auch schon Nebensaison, und ich hätte nur den total verbrutzelten G-String oder den Flascheneinsammler mit der Vespa fragen können. Wo sind bloß die ganzen Leute, habe ich mich gefragt. Fahren die alle beim Radrennen mit? Oder sind die noch fertig von dem Schiffs-Spektakel gestern im Hafen? Oder sind sie vorübergehend in ihrem Kühlschrank eingezogen?

Meine nächste Station: Eine befreundete Terrasse mit großem Sonnenschirm, mit Spaghetti-Eis und rotem Kater. Freundlicherweise habe ich auch noch ein kaltes Fußbad bekommen, eine Analyse von der Krömer-Show gestern (da schluf ich schon) und Lesefutter. Dankeschön! Mein Dank gilt heute außerdem natürlich dem Konstrukteur des Fahrradkorbes, weil da die Sporttasche hochkant reinpasst, daneben noch die Draußen-Tasche und die zwei Bücher locker auch noch. So habe ich die Arme frei, den Kopf frei, das Sonnenkonto aufgetankt und bin startklar für die neue Woche.

Und was macht die Katze, wenn es so heiß ist? Begrüßt mich langgestreckt im Flur, hat in ihrem Wassernapf herumgeplanscht, noch ganz nasse Pfoten, kleine Überschwemmung im Wohnzimmer, sie verlangt nach nassem Nassfutter mit viel Hühnchen drin und übt sich dann in einer lässigen Halbprofil-Pose.

Nicknames

17 Jul

Für Leute, die man oft sieht, hat man irgendwann Spitznamen. Also ich meine Leute, die man kennt. Nun passiert es mir immer wieder, dass sich bei mir Namen einschleichen für Leute, die ich zwar ständig sehe, aber eigentlich gar nicht kenne. In der Schule gab es den „Frosch“ (der mit der Quakstimme), den „Koffer“ (trug einen Aktenkoffer, wo doch damals nur Rucksäcke cool waren) oder den „Organisator“ (Schulsprecher, und dann auch noch der, der auf alle Demos geht). Und nicht zu vergessen den „Weltmeister“ (warum das so war, habe ich leider vergessen). Beim Tanzen gibt es das „Geschirrtuch“ (trägt gern karierte Hemden, wenn alle anderen schwarze T-Shirts tragen), das „Tablett“ (bewegt beim Zappeln die Arme, als würde er gerade ein voll beladenes Tablett stemmen) oder „den Mann, der nichts trinkt“ (trinkt nie was, wie er das macht, ist mir ein Rätsel).

Je öfter ich nun beim Sport bin, desto mehr spuken mir auch hier Namen durch den Kopf für Leute, die ich gar nicht kenne. Da gibt es den „Zenturio“ (leider ohne Römersandalen), es gibt „Herrn von Bödefeld“ (ja, er sieht so aus) und den „Gomera-Mann“ (macht immer Sport mit einem Kopftuch auf). Dazu kommen der „schwarze Kavalier“ (sitzt immer zufällig auf dem Fahrrad neben einer Frau und macht Konversation), „Frau Pferd“ (trägt ein Pferde-T-Shirt) und „der Boxer“ (macht immer Beinarbeit mit viel Gehopse da bei den Matten, wo zum Beispiel der „Yoga-Mann“ sich barfuss stundenlang verbiegt). Wenn man so schöne Namen haben kann, wer will da noch Hans und Franz heißen?

Sanostol-Sonntag

6 Mai

Sonntag, heute brauchst Du Sanostol. Sonntags beim Sport sieht man Menschen, die die ganze Woche nicht da waren. Sie haben einen Schatten, der heißt schlechtes Gewissen. Kein Wunder, dass ich heute also ein paar Menschen höchst unmotiviert ihre Übungen an den Geräten absolvieren sah, und musste direkt an die Werbung denken „Trottet ihr Kind auch immer nur lustlos durch alle Pfützen?“. Taps, schlurf.

Der auf den iPod gewanderte 80er-Jahre-Sound untermalte meine Überlegungen zur sportlichen Sonntagslage. Weder das Hamburger Grau-Wetter (Fade to grey) noch eine zu kurze vertanzte Nacht (Cold days, hot nights) konnten also als Ausrede herhalten, um dem sportlichen Schweinehund ein Schnippchen zu schlagen (Respectable). Watt mutt, dat mutt, sagt der Hamburger (I promised myself), und die Tage, um eine Bikini-Figur (bis zum Lebensende) zu erreichen, sind gezählt (The harder I try)… Da heißt es rauf auf den Crosstrainer, aufs Laufband oder aufs Rad (Your heart keeps burning)! Meine Gedanken schweiften ab   (Voyage, voyage)… „Was macht eigentlich die Katze zu Hause?“ (My bed is too big)  „Wie wäre es nachher mit Rhabarberkuchen?“ (Slice me nice)“ „Kommt heute Abend nicht der letzte Tatort mit Mehmet Kurtulus?“ (Don’t break my heart).

Damit war es dann aber auch gut für heute mit Sport und 80er-Jahren. Ich habe noch Katzenfutter bei Rossmann gekauft und Handcreme, die ich alibimäßig in die Handtasche stecke und doch nie benutze. Und ich habe zwei Menschen gesehen, die in der Woche oft beim Sport sind. Aber sonntags lieber bei Rossmann…

Jackenkasper

30 Apr

So ging es heute den ganzen Tag: Jacke an (vor dem Sport), Jacke aus (Sportsachen an), Jacke wieder an (nach dem Sport), war aber ganz schön warm in der Sonne, also Jacke wieder aus, auf dem Fahrrad war es aber noch frisch (Jacke an), auf der Bank in der Sonne warm (Jacke aus), und als sie dann wieder weg war, musste die Jacke wieder an.

Während ich mich langsam gefühlt habe wie ein Jackenkasper, habe ich bemerkt, dass andere Menschen das Jackenthema wesentlich pragmatischer angehen. Entweder sie haben eine schön dicke Lederjacke an und ziehen die stur gar nicht aus. Oder sie haben einfach nur ein T-Shirt an, schon gar keine Jacke dabei, aber auf jeden Fall eine Sonnenbrille auf der Nase.

Passende Ohrringe für wechselwarme Menschen wie mich habe ich bei Topshop entdeckt für schlappe sieben Euro. Sehen  ein bisschen nach Geschenk vom Klempner aus, aber haben eindeutig mehr Stil als ein Einhebelmischer.

Sport goes Gelb

15 Mrz

Warum tragen so viele Männer gelbe Klamotten beim Sport? Im Vergleich zu anderen sportlichen Farben wie Blau oder Rot hat sich das Gelb in den letzten Wochen heimlich auf den ersten Platz vorgemogelt in meinem Fitnessdings.

Da gibt es das satte Mangogelb mit Aufschrift – sieht aus wie ein original Radrenn-Trikot. Habe ich aber auf dem Crosstrainer gesehen. Oder so ein helleres Zironengelb, in esoterischer Eintracht mit einer orangenen Sporthose. Ab zum Yoga! Und natürlich das 100% Yellow, das in den Augen quietscht, aber super von im Lauf der Zeit zu heiß gewaschenen und leider eingegangenen zu kurzen Sporthosen ablenkt. Und schließlich nicht zu vergessen das Fake-Gelb, nämlich ehemals weiße Sachen mit Gelbstich. Nach der nächsten Allover-Transpiration ab in die ewigen Sportsachen-Jagdgründe damit… Bittedanke!

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